Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 1. Theil (1838) Der Knabe und der Fluch seiner Geburt
Entstehung
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begriffen. Er erzählte mir ſeine Begebenheiten, ſein un⸗ glückliches Schickſal. Da er nirgends mehr eine Ausſicht,

nirgends Hülfe wußte, hatte er beſchloſſen zu Euch zu fliehn, Euch zu Füßen zu fallen und Euch zu bitten, ihn aufzuneh⸗ men, weil ihn die Welt feindlich von ſich ſtieß. Da aber ſeine kaum gewichne Krankheit ihn ſehr ſchwach gemacht, und außer Stand geſetzt hat, ſo ſchnell wie ich zu reiſen, ſo iſt er zurückgeblieben, und hat mich inſtändigſt gebeten, ſeiner Ankunft Herold zu ſeyn; in der Ueberzeugung, daß es Euch Freude machen würde.

Ein zierlicher Herold! murmelte Philipp höhniſch durch die Zähne; darauf wandte er ſich zu den Tafelgenoſſen. Wie gefällt euch, fragte er mit gezwungnem Lachen,. das Fündlein, das der ſchlaue Zugvogel da erſonnen hat, mich zum Beſten zu haben, und mir einen Gulden aus der Taſche zu locken. Archimbald lebend... auf dem Wege hieher? ha! ha! ha! nur ein Verrückter kann ſich beigehen laſſen, mit der albernen Mähre einen Mann hintergehen zu wollen, der durch ſchriftliche Beweiſe von dem Tode des fraglichen Menſchen unterrichtet iſt, wie ich. Hebe Dich weg, und bringe Deine Zeitungen an, wo Du magſt, nur nim⸗ mer hier... Du biſt ein ſchlechter Lügner!

Herr! erwiederte der Fremde eifrig.Ich bin kein Lüg⸗ ner. Ich will es darauf ankommen laſſen. In Euerm Hauſe will ich geduldig warten, bis Euer Bruder ſelber kömmt. Er kann nicht lange ausbleiben.

So? fragte Philipp mit ängſtlichem Scherz...Glaub's wohl. Der Landſtreicher würde gute Tage leben, ſeinem Bauch pflegen, und wenn die Zeit herannaht, die er anberaumt, den Abſchied hinter der Thüre nehmen. Falſch gerechnet,

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