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„Hm!“ verſetzte Philipp, und rieb ſich die kahle Stirne. —„Ich hab' es zwar verſchworen, kein wanderndes Lumpen⸗ geſindel, das bettelnd umherſtreift, mehr anzuhören; doch weil ich heut' ein Feſt begehe, und weil er mir denn auch eine gute Kunde zu bringen vorgibt, ſo mag's drnum ſeyn. Er ſoll kommen, ſich aber fein kurz faſſen. Schärfe ihm das ein!“
Der Diener ging, und führte einen zerlumpten blaſſen Jüngling ein. Das eine Auge und die Stirn war von einem ſchwarzen Tuche verhüllt, das beinahe den ganzen Kopf be⸗ deckte. ein dichter Schnauzbart veſchattete den Mund, ſein Gang war hinfällig, gebückt und ſchwächlich. Demüthig blieb er an der Thüre ſtehen. Da alle Gäſte ſich verwundert nach ihm hingewendet hatten, ſo ergriff Philipp die Gelegenheit, einmal vor aller Welt ſeine Großmuth zu zeigen.
„Tritt näher, Burſche;“ ſprach er halb freundlich zu dem Harrenden....„Du kömmſt, um zu betteln, wie ich merke; allein da ich heute guter Dinge bin, ſo ſoll Dir auch ein gutes Allmoſen nicht entſtehen, wofern Du mir die glückliche Botſchaft bringſt, deren Du Dich rühmſt.“
„Ja, edler Rathsherr!“ verſetzte der Fremde mit kränklicher Sprache.—„Ich werde, denke ich, meinen Zehrpfennig ehr⸗ lich verdienen, und Euch Freude gemacht haben. Damit ich mich alſo kurz faſſe, wie Euer Diener mir es geboten, ſo hört: ich bringe Euch Kunde von Euerm Bruder Archimbald.“
„Archimbald?“ wiederholten alle Gäſte verwundert„von dem Todtgeglaubten? von Archimbald?“ ſtammelte Philipp heftig erſchrocken, und verſtummte wie vor einem Donnerſchlag.
„Ich fand auf meiner Wanderſchaft Euern Bruder, krank und mittellos in einer elenden Herberge,“ fuhr der fremde Geſell fort.„Er war, gleich mir, auf der Reiſe gen Ulm


