Siebzehntes Rapitel.
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Was ich gelobt in jenes Augenblickes Höllenquallen, Iſt eine heil'ge Schuld! ich will ſie zahlen! Schiller.
Es war um die Weihnachten, und in des Kaufherrn Philipp Wernhers Hauſe, unfern des Hauſes der deutſchen Herren zu Ulm, ging es boch her mit Muſiciren, Pfeifen und Trompeten, weil ein koſtbares Mahl daſelbſt gehalten wurde, zur Feier eines großen Feſtes. Es war nämlich Herrn Wernhers erſtgebornes Söhnlein durch die Taufe in die Zahl der Chriſten aufgenommen worden. Die Tafel war reich beſetzt mit Speiſen und Getränkenz alles im Ueberfluß, alles prächtig und vornehm. Silberne Gefäße blinkten, wo man nur hinſahz köſtliche Wohlgerüche duf⸗ teten auf in dem hohen Zimmer: liebliche Töne rauſchten munter und ſcherzend von dem Altan durch die Gemächer des Hauſes und durch die Straßen, um weit in die Ferne den Jubel zu verkünden. Bunt uud reichgeſchmückte Gäſte ſaßen um die ſchimmernde Tafel, allein der beſte Gaſt fehlte unter ihnen: die Fröhlichkeit, die alles belebende Freude. Förmlich und feierlich ſaßen Alle um das Mahl; der Hausvater oben an mit finſterm Blick, blaſſem Antlitze und düſtrer Laune; und das Tauffeſt würde einem Leicheneſſen ähnlich geweſen ſeyn, hätten nicht ein Paar Meiſterſänger


