Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 1. Theil (1838) Der Knabe und der Fluch seiner Geburt
Entstehung
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Archimbald blickte betroffen in Leilas Feueraugen, wäh⸗ rend ſie das Gelübde ſprach, deſſen feierlicher Ausdruck ſelbſt die leichtſinnige Zenide bis in das Innerſte erſchüttert hatte. Aus ihrem Antlitz leuchtete Liebe und Rührung. Schluch⸗ zend umſchlang ſie die begeiſterte Schweſter, küßte ſie, und ſprach zu Archimbald:

Achmet, Bruder, Geliebter! Du haſt dies Gelübde ge⸗ hört, wie noch nie dieſe Mauern ein ähnliches vernahmen. Schätze es nach ſeinem Werthe, hege die köſtliche Perl, die der Allmächtige in der Geſtalt meiner Leila auf Deinen Weg geſtreut hat. Liebe, ſchirme ſie, wie Dich ſelbſt; Ihr ſtehe ich gern zurück, denn ich bin nicht ſo gut, nicht ſo edel als Leila; neben Ihrer Tugend bin ich eine Un⸗ würdige.

Leila zog die von ihrem Lobe Ueberfließende ſchnell mit ſich fort. Auf der Schwelle der Eingangsthüre blieben die Mädchen einen Augenblick ſtehen, ſendeten dem nacheilenden Wahlbruder Gruß und Kuß, und verſchloſſen eiligſt die Thüre. Archimbald konnte ſeines Staunens kein Ende finden. Die Handlungsweiſe der Türkinnen ſchien ihm ſo eigen, ſo ungewöhnlich, daß ſie ſchon um deſſentwillen ſeine ganze Theilnahme in Anſpruch nahm, hätte nicht bereits die Schönheit der Schweſtern ihr das Wort geredet. Er mußte die ſeltſame Laune ſeines Geſchicks bewundern, das ihm durch Frauengunſt erſetzen zu wollen ſchien, was Haß und Tücke des eignen Geſchlechts ihm hartnäckig verſagte: Liebe, Mitgefühl. Aus dem fernen ottomanniſchen Reiche ſandte ihm die Vorſicht eine Freundin, wie Leila. Auf dem entlegnen Schloſſe Worosdar entblühten ihm drei Knospen, eine liebenswürdiger als die andere, eine jede ſich zärtlich