Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 1. Theil (1838) Der Knabe und der Fluch seiner Geburt
Entstehung
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und die gute Dirne theilte ihre Nahrung mit ihm, ſich ſelbſt

Nothwendiges verſagend, um ihm die verlornen Kräfte wie⸗

derzugeben. Archimbald hing dafür auch dankbar an ihr, und ihre Güte hielt doch in etwas das Gleichgewicht mit der fürchterlichen Lage, in der er ſich befand, und die ihm von Tag zu Tag begreiflicher wurde. Denn ſeine Pflegerin konnte ihm nicht verhehlen, daß mit ſeinem Vater alle und jede Hoffnung ſeines Lebens zur Grube gefahren ſey; daß Simon die feindlichſten Abſichten hege, und bereits einen Eil⸗ boten an Philipp nach Antorff geſendet habe, um deſſen An⸗ kunft im Vaterhauſe zu beſchleunigen. Archimbald faßte lange nicht den Grund, warum er ganz ausgeſchloſſen ſeyn ſollte von dem Eigenthume ſeines Vaters, bis ihm endlich die ſittſame Sabine mit halben, gar ſorgſam gewählten Worten ungefähr erklärte, wie das Alles zuſammenhänge. Des Knaben ſtörriſcher Character lehnte ſich auf gegen Un⸗ gerechtigkeit des Schickſals und der Menſchen; ſeine Hülflo⸗ ſigkeit hingegen entpreßte ihm glühende Thränen. In dumpfer Troſtloſigkeit brütend lag er, als eines Tags Simon in die Kammer polterte.

Wie lange ſoll das mit dem Buben noch dauern, Sa⸗ bine? zürnte er der Bleichwerdenden entgegen.Morgen kömmt der Herr, und der ſoll das Gezücht nimmer im Hauſe finden. Entweder Ihr ſchafft den Ueberläſtigen ab; oder ich laſſe den Wechſelbalg auf die Straße werfen, und ihr ſeyd um den Dienſt.

Sabine ſchwieg beſtürzt. In Archimbalds Buſen kochte es aber, und er rief dem Alten heftig zu:O Simon, du alter, böſer Knecht! redeſt Du alſo von dem Sohne Deines Herrn, und ſchändeſt den Gebieter noch im Grabe?