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gaſtlicher Tafel, der ſein Geburtsfeſt zu feiern dachte, ſein Todtenmahl begangen, und die Neige des Tummlers voll Rheinwein, den der ſtattliche König des Feſtes auf ſein und ſeiner Freunde Wohl mit einem Zuge zu leeren ſich vorge⸗ nommen, netzte nur noch die erſtarrte Zunge des fröhlich hinübergegangenen Trinkers.
„Gottes Gerichte!“ rief die Menge, die, wie es zu ge⸗ hen pflegt, haarſcharf richtete, nur mit Härte die Blößen rügte, die der Verblichene gegeben, und in leichtſinniger Freimüthigkeit nicht mit dem Mantel der Heuchelei zu be⸗ decken gewußt hatte.
Wenige Freunde beſeufzten das Hinſcheiden des fröhlichen Biedermanns; im Verborgenen zollten aber viele Arme, die an dem lebensluſtigen Wernher einen Verſorger gefunden hatten, ſeinem Andenken eine Thräne. Am grimmigſten je⸗ doch packte den jungen Archimbald der bittere Kummer über ſeinen unerſetzlichen Verluſt, der ihm in der nächſten Vier⸗ telſtunde kein Geheimniß mehr war. Der hartnäckige Starr⸗ kopf, dem die ſchwerſte Züchtigung nur Thränen der Wuth, nie aber des Schmerzens zu entlocken vermochte, war durch dieſen blitzſchnellen Todesfall ſo tief erſchüttert, ſo zerknirſcht, daß er ſich dem heftigſten Jammer überließ, der zufolge ſei⸗ ner ſchroffen Gemüthsart gar nicht zu bändigen war. Außer ſich vor Leiden, warf er ſich auf den entſeelten Körper, und weinte herbe Thränen der Verzweiflung. Er tobte gegen Jeden, der ihn von der geliebten Leiche führen wollte, und ſogar Simon, der harte Greis, ehrte den natürlichen Schmerz, und ließ ihn gewähren.
Als aber die Blutsfreunde kamen mit den Herren vom Gerichte, um die Verlaſſenſchaft für den rechtmäßigen Erben


