Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 1. Theil (1838) Der Knabe und der Fluch seiner Geburt
Entstehung
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in des Rathsherrn Stube gewahrte.Jeſus! ſtammelte er erſchrocken, und griff haſtig in ſeine Taſche nach dem Schlüſ⸗ ſel des Gemachs, den er auch augenblicklich fand.

Da iſt doch der Schlüſſel, fuhr er fort.Alſo ſind Diebe darinnen oder ein Spuckgeſicht.

Als er aber verſteinert da ſtand, und nichts zu begin⸗ nen vermochte, riß ihm Archimbald den Schlüſſel aus der Hand; im nächſten Augenblicke war die Thüre geöffnet, und Beide ſtanden im Gemach.

Der Rathsherr ſaß in ſeinen Prunkkleidern am Tiſche im Erker; hatte eine brennende Kerze vor ſich, hielt in der Rechten eine Feder, in der Linken das eröffnete, entfaltete Teſtament, in dem er mit bekümmertem, ſchneebleichem Ge⸗ ſichte zu leſen ſchien.

Unwillkührlich hielt ſich Archimbald an dem Mantel des alten Simon, der mit dem Ausruf:Aber, Herr Wernher! wie kommt Ihr doch in's Haus gleich dem Diebe in der Nacht! dem Gebieter ein Paar Schritte näher trat.

Der Rathsherr wandte aber raſch ſein Geſicht gegen die Eintretenden, ſtarrte ſie mit gebrochenen Augen an, die gräu⸗ lich aus den fahlen Zügen blickten, und plötzlich war Geſtalt ſammt Kerzenhelle verſchwunden. Das Document lag feſt verſiegelt auf ſeinem vorigen Platze, und des Dieners La⸗ terne warf ungewiſſe Streiflichter in dem dunkeln Gemache umher.

Entſetzt hatte ſich Archimbald mit dem Geſichte an den Alten gedrängt, deſſen Herz ängſtlich pochte, deſſen Glieder bebten, und der kaum ein Kreuz zu ſchlagen vermochte. Gott ſey uns gnädig und barmherzig! ſeufzte Simon