Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 1. Theil (1838) Der Knabe und der Fluch seiner Geburt
Entstehung
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der Kleine die gewundne Stiege hinan, betrat er den lan⸗ gen Gang, der an dem Gemache des Vaters vorbei zu ſeinem Kämmerlein und zur Wohnſtube führte. Die Glocke vom Thurme ſchlug die neunte Stunde. Aus Herrn Wernhers Gemach ſtrahlte Licht durch das kleine Schiebfenſter neben der Thüre. Archimbald wollte in das Zimmer; die Thüre war aber verſchloſſen, und ſo ſchlenderte er gegen die Wohn⸗ ſtube fort, als Simon mit der Leuchte in der Fand aus derſelben auf den Gang trat.

Ihr ſeyd's, Herrlein? fragte der Diener.Ich hörte vorhin die Hauspforte raſſeln.

Ich war es, verſetzte der Knabe.Aber wo willſt du hin mit der Leuchte?

Den Herrn holen, antwortete Simon.Es hat neun

Uhr geſchlagen. pii Herrn? alter Träumer! lachte Archimbald.Der ja längſt daheim. ne fragte der Alte. Nun freilich, lachte Archimbald noch lauter.Du be⸗ wachſt uns das Haus ſchön, und weißt nicht, wer kommt oder geht. Der Vater iſt daheim, und hat ſich in ſein Stüb⸗ lein verriegelt.

Junkerchen, Ihr träumt, nicht ich; erwiederte Simon. Wie kann er in ſeinem Stüblein ſeyn, zu dem ich den Schlüſſel in der Taſche führe?

Was? rief Archimbald eifrig.Du, wahnwitziger Ei⸗ genſinn, willſt mich Lügen ſtrafen? Da, ſieh, komm und ſieh.. brennt nicht eine Kerze im Stüblein?

Schnell deckte Simon die Leuchte mit ſeinem Mantel zu, und ſeine Kniee fingen an zu ſchlottern, 3 er die Helle