Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 1. Theil (1838) Der Knabe und der Fluch seiner Geburt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

heftigſte. Simon mußte ihn zum Eſſen aufmuntern, und in⸗ dem er ihm ſeinen künftigen Reichthum pries, ihm demüthig die Speiſen vorlegte, und alle Ergebenheit bewies, die dem Diener eines reichen Erben geziemt, verſcheuchte er nach und nach glücklich den Ernſt des Knaben, und weckte auf's Neue die Geiſter des Stolzes und des Uebermuths in der trotzigen Bruſt.

Unter ſeinen Geſpielen verfloß dem lebhaften Knaben der herbſtliche Nachmittag unter Scherz und Fröhlichkeit. In der Dämmerung kehrte er von der Wieſe am Donaufluſſe nach Hauſe, und ſtrich, von ſeinen Gefährten getrennt, durch ein Paar abgelegene Gaſſen. In einem kleinen Häuschen brannte im Erdgeſchoß eine trübe Lampe. Archimbald ſprang auf einen Baumſtamm, der vor dem Häuschen lag, und pöp⸗ pelte an's Fenſterlein. Ein Mädchen von ungefähr neun Jahren, das in der Stube ſaß und Garn wickelte, ſchaute hoch auf.

Trudchen! rief Archimbald leiſe ins Fenſter;Trudchen! komm' heraus! Ich bin's!

Biſt du's, Archimbald? erwiederte froh die kleine Dirne.

Aber ihr Frohſinn wich alſobald.Ach, lieber guter

Archimbald, fuhr ſie traurig fort;ich kann nicht zu dir

hinauskommen. Der Vater iſt auf der Zunft, die Mutter

bei der kranken Nachbarin, und ſie haben mich eingeſchloſſen.

So komm' nur an's Fenſter, drang der Knabe in ſie. Sie kam auch endlich, und Archimbald lehnte ſich mit dem halben Leibe hinein, ergriff ihre beiden Händchen, und er⸗ zählte ihr freudig, wie er einmal ein reicher Mann werden würde, deß Alles vollauf hat und thun kann, was er will. hat mir Simon geſagt! ſetzte er hinzu,und ich habe

2