Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 1. Theil (1838) Der Knabe und der Fluch seiner Geburt
Entstehung
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dem Lande Böheim, oder Hungarn... Der hatte mich lieb, und ſpielte mit mir. Doch wieder von Vorne anzufangen... ich weiß es, daß mich die Leute haſſen wie eine Spinne, und ſchon oft geſagt haben; ich ſey nicht der rechte Sohn meines Vaters. Aber ich will es ihnen ſchon lehren, wenn ich groß genug bin. Der Vater hat mich am liebſten; darum muß ich auch wohl ſein beßter Sohn ſeyn. Ein beſſerer als der verlaufene Philipp, der mir die Peſt an den Hals wünſcht.

Der Knabe ging ganz trotzig und hochfahrend im Ge⸗ mache auf und ab, und wurde noch lange fortgeeifert haben, wenn nicht in demſelben Augenblicke der Magiſter Kalander eingetreten wäre. Simon, bereits unterrichtet von dem Endzwecke ſeines Beſuchs, entſchuldigte die Abweſenheit des Herrn, beſtellte ihn auf Morgen wieder, und wollte ihm das ſauberbeſchriebene Pergament abnehmen, um es dem Rathsherrn bei ſeiner Heimkehr vorzulegen.

Ihr durft euch nicht ſcheuen, ſprach er zu dem Zaudern⸗ den, mir das Pergament zu ubergeben. Für das Ge⸗ heimniß ſtehe ich euch. Ich kann nicht leſen.

Der gehorſame Magiſter zögerte noch. Aber, in Betracht, die Schrift möchte ihm bei dem Gaſtgebot, zu dem er ſich zu begeben im Begriff ſtand, hinderlich ſeyn, gab er nach, und ließ das Dokument zurück, nachdem er es in einen Papierumſchlag gewickelt, und mit einem großen Wachsſiegel verſchloſſen hatte.

Des Knaben Nengierde war nun auf die geheimnißvolle Schrift gerichtet, und Simon nahm keinen Anſtand, ihm davon zu ſagen ſo viel er ſelbſt wußte. Archimbald war es noch nie eingefallen, ſich ſeinen Vater ſterblich zu denken und dieſe Vorſtellung erſchütterte ſein leichtſinniges Herz aufs