Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 1. Theil (1838) Der Knabe und der Fluch seiner Geburt
Entstehung
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Fläſchchen mit dem koſtbaren Oele, das mir vor zwei Jahren der Philipp von Lyon geſchickt hat. Es macht die Haare ſo glänzend und ſo dunkel, daß es eine Freude iſt. Er ſalbte ſich wohlgefällig mit der Eſſenz das Haupthaar, und zog lächelnd den Zwickelbart durch die balſamiſch duftenden Finger. Simon aber reinigte am Fenſter den Federhut vom Staube und bewunderte ihn, wie er immer zu thun pflegte.

Welche Feinheit! rief er; der Filz ſo zart gleich Sammet, und die ſchöne krauſe Feder! Den Hut ſandte euch ebenfalls euer Sohn, der junge Meiſter Philipp?

Ja, erwiederte Wernher gleichgültig, und warf ſich in den pelzverbrämten Scharlachmantel. Er ſchickte mir ihn von Antorff aus. Der Heuchler weiß wohl, welche Geſchenke ſeinem Vater die meiſte Freude machen. Deswegen taugt aber der Geber dennoch nichts.

Simon ſeufzte beweglich.

Der Bube war mir zuwider von Geburt an, eiferte Wernher, weil er ſeiner armen Mutter, die ich zärtlich liebte, das Leben koſtete. Du kamſt dazumal in mein Haus, und erinnerſt dich, in welche Betrübniß ich verſunken war.

Ihr thatet gleich einem ächt chriſtlichen Wittwer, be⸗ kräftigte Simon. Der Schmerz konnte aber nicht ewig dauern.

Mein Blut war zu leicht, ſprach Wernher; ich dachte bald auf Erſatz für die Selige. Jedoch zum Altare ſollte mich Keine mehr bringen, nahm ich mir vor. Lange ſuchte ich vergebens; allein mit der ſchönen Hedwig aus Thüringen⸗ die ich als Wirthſchafterin annahm, ging ein neuer Stern in meinem Hauſe auf.

Ach, die fromme, gute Hedwig! ſeufzte Simon. Vie