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Ja; das gebe der liebe Herrgott! fiel des Dieners ſüß⸗ liche Stimme ein.
Ei, ſieh da! rief Wernher, ſich umſchauend. Du hier, Simon? So, ſo. Ich dachte, ich ſey allein.
Bin eben eingetreten; entgegnete Simon und kauerte ſich nieder, um dem Gebieter die rauchledernen Schuhe mit den bunten Abſätzen und den gelben Laſchen anzuziehen.
Biſt ein guter Menſch, ſprach Wernher während dieſem Geſchäfte; haſt ſchon manches Jahr bei mir ausgehalten... Sollſt auch nicht von mir kommen bis an mein Ende, und auch dann ſoll für Dich geſorgt werden. Mein Sohn, der Philipp, iſt zwar ein böſer Bube, aber meinen letzten Willen wird er, ſo Gott hilft, ehren.
Das heilige vierte Gebot; ſchaltete Simon ein.
Herr Wernher ſtand auf, ging ein Paar Mal nachdenk⸗ lich im Gemach auf und ab, ſah dann auf die Wanduhr. Es wird bald zur Kirche läuten; fuhr er dann fort. Geh' und bringe mir meinen Scharlach und den feinen nieder⸗ ländiſchen Hut mit der Straußenfeder und dem goldenen Knopfe, wie auch die gemsledernen Handſchuhe mit den ſei⸗ denen Franſen.
Simon ging. Der Rathsherr nahm das ſilberbeſchlagene Gebetbuch, die goldene Rathsherrnkette und den Rubinring aus dem Schrein; gürtete ſich den Degen um und beſah ſich von Neuem im Spiegel. Die trüben Wolken, die ſich auf ſeine Stirn gelagert hatten, machten der gewöhnlichen Heiterkeit Platz, die auch dann nicht wich, als er mißfällig bemerken mußte, daß ſowohl in Haar als Bart der grauen Eindringlinge viele geworden waren.
Simon! rief er dem Eintretenden zu: Gieb mir doch das
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