Teil eines Werkes 
4. Band (1844)
Entstehung
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Ehe der König mit den Rittern die Burg verließ, gebot er dem Vogte, daß er an der vermauerten Oeff⸗ nung der Höhle einen Stein errichten und folgende Worte darauf graben ſollte: Hier hungern die Mörder des Löwens, ſein Rächer war Kö⸗

nig Friedrich nebſt hundert zwei und vier⸗

zig getreuen Rittern des ehemals mächti⸗ gen und ehrſamen Löwenbundes. Dieſer Stein ſtand noch im fünfzehnten Jahrhundert unver⸗ rückt an ſeiner Stelle, und war die Urſache, daß ein gelehrter Burgkaplan, Nicolaus a Hagenrütti, die Ge⸗ ſchichte dieſes berühmten Bundes ſammelte und im Archive ſeines Geſchlechtes niederlegte. Noch immer iſt der Berg, auf welchem einſt dieſe ſtolze Burg thronte, mit hohen Eichen und Buchen bepflanzt; aber keine Straße, kein Pfad ſchlängelt ſich mehr aufwärts, das Daſeyn der großen Veſte bezeugen nur noch einige Ruinen, auf welchen man hie und da das eingehauene Bild des Löwens erblickt. Schauervoll wandelt ſichs darin umher, weil die dort häufig niſtenden Uhn mit kläglichem Geſchrei ihre Jungen vertheidigen, und aus ihren Höhlen mit feurigem Auge fürchterlich auf den einſamen Wanderer herabblicken.

Der König führte ſein Heer endlich durch Franken

nach Eger, wo der König von Böhmen ſich mit ihm

vereinigte, und in ſeiner Geſellſchaft den fliehenden

Otto bis gen Braunſchweig verfolgte. Ungeachtet aller dieſer Siege ward aber Friedrich doch erſt nach Ottos Tode allgemein als König der Deutſchen anerkannt, und als dieſer gekrönt. Ehe dies geſchah, zog er nach Itälien, und verehlichte ſich mit Konſtantien, des Kö⸗ nigs von Arragonien Tochter. Am Tage ſeiner Ver⸗ mählung, welche ſehr prachtvoll gefeiert wurde, berief er die getreuen Ritter des Löwens, welche ihm auch