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Am neunten Tage zogen Klara, Agnes, Kunigunde und Adelheid ins geliebte Iffenthal. Traurig war ihr Einzug; ſie wurden nur mit theilnehmenden Thränen bewilſkommt, weil die treuen Unterthanen ſchon ver⸗ nommen hatten, daß ihr alter Herr nebſt ſeinen Söh⸗ nen nie mehr zurückkehren werde. Da unter denjeni⸗ gen, an welchen der König ſo ſchreckliche Rache geübt hatte, auch des alten Grafen Mörder waren, und dieſe aufrichtig den Abgrund entdeckt hatten, in welchen ſie ihn ſtürzten, ſo ſandte Agnes den Burgvogt dahin ab; er ſammelte mit großer Gefahr und Mühe den zer⸗ trümmerten Körper ſeines Herrn, und begrub ihn, nach der Frauen Gebot, in die Kapelle, welche er einſt dem Andenken ſeiner tapfern Söhne geweiht hatte. In der Folge ließ Agnes die Wand noch mit einigen Gemäl⸗ den zieren, welche Korradins großmüthige Verzeihung, ihre glückliche Ankunft in Deutſchland, und endlich die ſchreckliche Ermordung der Helden vorſtellten.
Klara gebar kurz nachher eine Tochter; aber das Leiden ihres Herzens hatte ihren Körper zu mächtig geſchwächt, ſie ſtarb drei Tage nach der Geburt, und hinterließ die kaum Geborne als eine vater⸗ und mut⸗ terloſe Waiſe. Kunigunde, an deren Körper ſchon lange unheilbare Abzehrung nagte, folgte ihr in eini⸗ gen Monden. Nur Agnes und Adelheid überſtanden den Kampf des heftigen Schmerzens, aber ſie blieben bis an ihren ſpäten Tod trauernde Wittwen, und weih⸗ ten ſich ganz der Erziehung ihrer Kinder: denn auch Agnes hatte einen Sohn geboren, welcher einſt das Lanze Habe und Vermögen der Grafen von Frohburg erbte und dieſen mächtigen Stamm fortpflanzte. Beide beſuchten nachher oft Klotilden, welche den Schleier in einem nahen Kloſter wirklich wählte, in der Folge die Aebtiſſin deſſelben wurde, und im Rufe der Heiligkeit ein ſpätes Alter erreichte.


