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Schutz⸗ und Schirmvogt: er gab ihm Reiſige, damit er alles zum Beſten des Knaben, den er ſeinen Sohn nannte, vertheidigen konnte, und belehnte dieſen noch überdies mit den Gütern des abgebrannten Kloſters, welche er und ſeine Nachkoͤmmen auch in der Folge ruhig beſeſſen haben.
Als er erſt jetzt Adelgunden in der Weiber Mitte vermißte, und durch ſie ihre Abreiſe und Entſchluß vernahm, ſo ſandte er ſogleich einige ſeiner Ritter nach Sicilien, denen er ernſtgemeſſenen Auftrag ertheilte, die arme Verlaſſene in allen Klöſtern aufzuſuchen, ſie eines andern zu überreden, von allem zu unterrichten, und in die Güter ihres Vaters als rechtmäßige Erbin einzuführen. Die Ritter befolgten ihren Auftrag; die Trauernde gab der Vorſtellung des großmüthigen Kö⸗ nigs Gehör, und ehelichte in der Folge einen ſiciliani⸗ ſchen Grafen. Doch muß ihre Ehe nicht glücklich ge⸗ weſen und ihr Gatte wirklich Korradins Rächer gewor⸗ den ſeyn, denn der Geſchichtſchreiber der Löwenritter ſagt ausdrücklich, daß ſie, als ſie in Italien an des Kaiſers Hofe erſchien, abgeſondert von ihrem Ehegat⸗ ten lebte, und gleich einer Wittwe Trauerkleider trug. Ihr alter, noch immer unruhiger Vater hatte ſie zu
dieſer Reiſe bewogen. Er war aus dem Kloſter en⸗
flohen, hatte ſich in Apulien einen ſtarken Anhang ge⸗ worben, und war erſt nach konger Fehde von den kö⸗ niglichen Kriegern gefangen genommen worden. Der König hatte eben des Rebellen Todesurtheil beſtätigt, als Adelgunde an ſeinem Hofe erſchien ünd im Namen
der Verſchwiegnen um des Vaters Leben flehte.
Der König ehrte ihre Bitte, und der alte Graf ward nun auf einer Veſte bis an ſeinen Tod gefänglich be⸗ wahrt. Adelgunde ſtarb ohne Kinder, ſie vererbte ihre Güter aufs neue der Krone, von welchem ſie ſolche erhalten hatte.


