Sonne anblicken kann, als ich mich damals dünkte, wie ich in Eſchenbachs Geſellſchaft euch wieder er⸗ blickte, wie mich Auge und Herz zugleich überzeugte, daß meine Einbildungskraft die feurigſte ſehn müſſe, weil ich euch immer ſo ſah, immer ſo ehrte, aber öde und leer wards in meinem Herzen, der liebliche, angenehme Sonnenſchein entſchwand meinem ſtarren⸗ den Auge, ich fühlte mich alles Troſtes beraubt, ich ſtand einſam und verlaſſen da: als ichs nach und nach vernahm, daß ihr ſchon gewählt, den koſtbarſten Schatz der irdiſchen Erde nicht an mich, ſondern an einen andern verſchenkt hättet. Ich that, was ich konnte, ich übte nicht Großmuth, ſondern Gerechtigkeit an euch; ich hoffte euch dadurch zu überzeugen, daß ich den innigſten Antheil an eurem Wohle nehme; ich tröſtete mich mit der Vorſtellung, daß ihr zwar in den Armen eines andern, aber doch wenigſtens darin euer Glück gefunden hättet. Jetzt, da ich höre, daß der Unempfindliche die Größe deſſelben nicht fühlt, und ihr ängſtlich in die Zukunſt blickt, jetzt wag ich es, mei⸗ ner Empfindung Worte zu geben. Die Natur machte euch zur Königin ihrer Geſchöpfe, das Schickſal ehrt den Willen dieſer allmächtigen Mutter, es führt Kö⸗ nige zu euern Füßen, damit ihr auch Beherrſcherin werden könnt. Ihr verwarft die Liebe des groß⸗ müthigen Korradins, weil er durch Gold euern Vater zum Verkauſe ſeines einzigen Kindes verleitete, euch zur Selavin machte und euern Gott nicht ehrte; ſeht jetzt einen andern König zu euern Füßen, deſſen Haupt vielleicht bald die deutſche Kaiſerkrone zieren wird, der euch zu euerm Vater aus den Feſſeln be⸗ freite, der mit euch einen und den nämlichen Gott ehrt, in eurer Geſellſchaft zu ihm ſeine Hände auf⸗
heben wird. Verachtet, verſtoßt ihn nicht, ehrt des
Schickſals Willen, das euch einen Thron beßſimmt,
*


