Teil eines Werkes 
4. Band (1844)
Entstehung
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22 meine ſtolze Eigenliebe mich diesmal nicht hinterginge, wenn ich hoffen könnte, daß ich nur den geringſten Einfluß auf eure Reue hätte, wie unausſprechlich glücklich wollte ich mich dann dünken.

Adelgunde(mit Zärtlichkeit). Wenn ich meinen Entſchluß ausführe, wenn ich mich der harten Feſſeln entledige, ſo denkt nur, daß ichs that, weil es euer Rath war.(Sie will gehen.)

Der König(ſie haltend). Nein, Königin deines Geſchlechts, ſo entlaſſe ich dich nicht. Laß mich mehr wiſſen, mache den Hoffnungsloſen ganz glücklich. Du kannſt der Schöpfer meines größten Glücks werden, zögere nicht länger, du kannſt allmächtig wie er ſeyn, ſey auch eben ſo barmherzig.

Adelgunde(verwirrt). Ich verſtehe euch nicht, ich weiß nicht Was könnt ihr von mir fordern? Der König. Ich fordere nicht, ich bitte, ich flehe nur Ihr ſollt alles wiſſen. Kann die

Erzählung meines Leidens auch nur Mitleid in eurem Herzen erwecken, ſo bin ich ſchon belohnt genug. Erinnert ihr euch⸗ noch jenes mir ewig unvergeßlichen Abendes, als ihr zu mir in die Fiſcherhütte tratet, mir offne Liebe botet, wenn ich dem gefangnen Vater die Freiheit ſchenkte? Damals begann euer Sieg über mein Herz, damals erwachte der Gedanke in mir: ſolch ein Weib, und du wärſt der Glücklichſte unter allen Königen der Welt! Ich kämpſte mit Rieſenkraft dagegen; ich ſiegte, und ſandte euch mit dem freien Vater übers Meer; aber ich konnte euch nie vergeſſen,

euer Bild war wachend und träumend mein treuer Gefährte, ich ſah Tauſende, die man ſchön nannte aber ich ſah keine, die euch gleich kam. Glücklicher

und froher kann ſich der Gefangene nicht fühlen,

welber Jahrelang im dunkeln Kerker ſchmachtet, auf einmal die Freiheit erhält, und wieder die aufgehelde 3