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Adelgunde Keufzend). Auch ich fragte mich oft
ſo, und that meinem Ritter gleichen Antrag, aber er verwarf ihn mit Starrſinn, und erklärte mir, daß ſeine Pflicht ihn an Deutſchlands Boden feßle, daß ich wohl thun würde, wenn ich die geſchenkten Güter zu verkaufen, und meinen Nachkommen ein deutſches Erbe zu ſtiften ſuche. Tapfer und edel mag der deutſche Ritter wohl ſeyn, aber gefühlvoll und zãrtlicht nachgebend und aufmerkſam auf die Wünſche ſeines Weibes iſt er nicht. Erfahrung lehrts mich käglich, daß hier nur der Männer Wille Macht und Gewalt hat, daß wir armen Geſchöpfe gar keinen haben ſollen.
König. So behagts euch in Deutſchland nicht?
Adelgunde. Wie kann mirs behagen, da ich ein beſſeres, ein ſchöneres Land kenne. Die Menſchen ſcheinen mir hier ſo ähnlich den wilden Thieren, welche
nur im Forſte leben und gedeihen. Wo mein Auge
hinblickt, ſieht es Wälder, wo mein Fuß hinſchreitet, tritt er auf Moos und Blättern umher ich muß lange umherwandeln, ehe ich einmal die wohlthätige Wärme
der Sonne genießen kann. Angſt und weh wird mir
ums Herz, wenn ich endlich des Winters gedenke, der alles verheert, alles verwüſtet, die grünende Erde Mondenlang mit Eis und Schnee bedeckt,
Der König. Die Abreiſe eures Ritters hat euch mißmuthig gemacht. Gedenkt ſeiner heftigen Liebe, und es wird euch beſſer werden.
Adelgunde(lächelnd). Seiner heftigen Liebe? Könnt ihr wohl Wärme von Eis und Schnee erwar⸗ ten? Sein Vater ringt mit dem Tode; ich kanns nicht hindern, daß er, ſeinen Segen zu erhaſchen, eiligſt abreiste, aber daß er nebenbei nur kalten Abſchied don mir nahm, mir nur im Vorübereilen ein Lebewohl zurief, gat nicht gedachte unſerer Liebe und des Bünd⸗


