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Der König. Dann wünſche ich von Herzen, daß die letztere in Freude ausarten, und ihr euern guten Vater wieder wohl und beſſer treffen mögt. Zieht die ſchöne Adelgunde mit euch?
Eſchenbach. Begebenheiten dieſer Art ſind nicht für das Gefühl eines Weibes, der Tod des alten Va⸗ ters würde ihr mitleidsvolles Herz zu ſehr engen, es auf lange Zeit zum Genuſſe der Freude unfähig machen. Gern hätte ichs zwar geſehen, wenn der ehrwürdige Vater die künftige Gefährtin meiner Tage kraftvoll geſegnet hätte; aber ich hoffe, daß dieſer Segen auch in der Ferne wirken und ihr unnöthigen Kummer er⸗ ſparen ſoll. Ich empfehle ſie in meiner Abweſenheit eurem Schutze, werdet ihr Tröſter, wenn ſie bangt und zagt, ermuntert ſie durch gefälligen Scherz, wenn ſie allzuſehr trauert.
Der König clichelnd). Ihr müßt entweder noch nie Eiferſucht gefühlt haben, oder meiner Geſtalt, mei⸗ nen wenigen Eigenſchaften gar keine Unternehmungs⸗ kraft zutrauen, da ihr mich zum Wächter und Tröſter der ſchönſten Dirne beſtellt. Oder achtet ihr mich wirklich für ſo großmüthig, daß ich die Abweſenheit des Freundes nicht nützen, nicht zu erobern ſuchen würde, was er ohne Vertheidigung verlaſſen hat?
Eſchenbach. Das letztere, edler Herr, das letztere! Ihr werdet eure Würde nicht perletzen, ſie iſt zum Schutze, nicht zur Kränkung des Eigenthums beſtimmt.
Der König Ich will euer Zutrauen nach Kräften ehren, unterliege ich aber im Kampfe, ſo werde ich euer Ankläger, und verkündige es laut, daß ihr mich zur Fehde verleitet habt. Wann hofft ihr wiederzu⸗ kehren?
Eſchenbach. Kann ich auch nicht ehre Aufnahme mitfeiern, ſo glaube ich doch ganz geſviß einer der erſten zu ſeyn, welcher euch dazu Glück wünſcht.
Löwenritter 4. 2


