Teil eines Werkes 
4. Band (1844)
Entstehung
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Der König. Nur eins noch: Was würdet ihr thun, wenn ihr an meiner Stelle wärt und entſchei⸗ den ſollt?

Der Bundeshauptmann. Der Biſchof iſt mein Freund, und Freundſchaft darf hier nicht entſcheiden. Thut, was euch klug und weiſe dünkt, ſo ſchrieb der Erzbiſchof, ſo muß ich auch rathen.

Der König verließ den guten Alten, und war noch eben ſo unentſchloſſen als vorher. Der mächtige Bei⸗ ſtand des Biſchofs reizte ihn mächtig, aber ſein Ge⸗ wiſſen rufte ihm auch eben ſo laut zu, daß ein König nicht aus eignem Vortheile entſcheiden, nicht zu ſeinem Nutzen die Rechte eines Unterdrückten kränken ſollte. Nach langem Kampfe mit dem Ehrgeize und dem ho⸗ hen, edlen Gefühle der Rechtſchaffenheit, ergriff er end⸗ lich das Schreibgeräthe, und antwortete, wie es ihm klug und weiſe dünkte. Eben hatte er das Schreiben geendet und den harrenden Boten verabſchiedet, als Ritter Eſchenbach in ſein Gemach trat.

Der König. Was bringſt du mir, trauter Freund? Wohl mir und dir, wenn deine Nachricht dem Geſichte widerſpricht, welches ſo laut Trauer und Kummer verkündigt.

Eſchenbach. Ich komme, Abſchied zu nehmen.

Der König. Doch nicht auf immer?

Eſchenbach. Das wolle Gott nicht; ich hoffe, noch oft an eurer Seite eure gekränkten Rechte mit dem Schwerte zu vertheidigen, und endlich mit euch den Siegs⸗ und Freudenbecher zu leeren. Mein Va⸗ ter, der lange in Paläſtina kämpfte, und unter den Wenigen war, welche vor Jahresfriſt wiederkehrten, hat mir einen Eilboten geſandt er beginnt ſeinen Todes⸗ kampf, und will den Sohn ſeines Herzens noch ein⸗ mal ſprechen und ſegnen. Dies iſt die Urſache meines Abſchieds und der Trauer, welche mein Geſicht ver⸗ kündigt.