Teil eines Werkes 
4. Band (1844)
Entstehung
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ich euch, daß wir alle Ritter und Fürſten in ganz Deutſchland befehden müßten. Doch handelt ohne Zwang und nach Pflicht und Gewiſſen. Ihr ſeht ſchon, daß ich zum Vortheile eines alten Freundes ſpreche, daß mein Rath nicht ächt und gut ſeyn kann.

Der König. Wenn's ſo wäre, wie ihr mir er⸗ zählt, ſo würde ich keinen Anſtand nehmen, den gefor⸗ derten Schutz⸗ und Schirmbrief auszuſtellen; aber der Erzbiſchof ſpricht von vielen Gütern, die er an ſich geriſſen, die er widerrechtlich beſitzt und im un⸗ gerechten Kampfe erobert hat.

Der Bundeshauptmann. Wer weiß, welche Urſache ihn dazu verleitet; vielleicht liegt gleiche Hab⸗ ſucht darunter verborgen, er will von dieſer Entſchei⸗ dung auf ſeinen Lohn ſchließen; bewilligt ihr, denkt er, dem Biſchof ſeine Bitte, die er abſichtlich ſo groß ſchildert, ſo kann er am Ende eben ſo viel und viel⸗ keicht noch mehr fordern. Unterſucht es dann, und ihr werdet finden, daß ihr dem guten Biſchof etwan einige kleine Veſten ſichertet, die mitten in ſeinem Ge⸗ biete und erblos da ſtanden. Wäre ich an eurer Stelle, ich erfüllte des Biſchofs Bitte, denn ſo ſehr auch der Mainzer auf einer Seite die Forderungen zu übertreiben fucht, ſo kann ichs euch doch nicht bergen, daß er wahr ſprach, als er euch die Macht des Bi⸗ ſchofs groß und ſeinen Einfluß anſehnlich ſchilderte. Erhaltet ihr dieſen zu eurem Freunde, ſo könnt ihr immer auf ſechs bis achttauſend ſtreitbare Männer rechnen, die, gleich uns, eure Rechte vertheidigen wer⸗ den. Doch noch einmal, ihr müßt in dieſer Sache euer eigner Rathgeber werden, denn ich kann nicht wider meinen Freund rathen, weil ich ihn durch zu große Gewiſſenhaftigkeit kränken und ſchaden könnte ich will aber auch nicht zu ſeinen Gunſten rathen, weil ich eurer Pflicht eben ſo ungerne zu nahe trete.