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König in ihre Mitte und umarmte die Tugendhaften. Die größte und ſtärkſte der Proben, ſprach er lächelnd, iſt überſtanden, die übrigen zu vollenden, kann mir nicht ſchwer werden, denn Liſt und Ueberraſchung hat nun geendet, ich bin von euer Tugend und Rechtſchaf⸗ fenheit vollkommen überzeugt, es kann euch nicht mehr gelingen, mich mißtrauiſch gegen dieſe zu machen. Ver⸗ ſucht es nicht, denn ich ſage es vorher, daß ichs nicht glauben, nicht zagen werde, wenn ich auch tauſend Schwerter über mir erblicke und die Spitze des Dolchs ſchon in meinem Fleiſche fühle.
Der Bundeshauptmann. Derjenige, welcher keine Gefahr achtet, iſt am leichteſten zu überraſchen, derjenige, welcher ſich am ſicherſten dünkt, ſtrauchelt, ehe er's vermuthet. Bedenkt dies, und handelt darnach.
Der König. Ich will eure weiſe Lehre in mei⸗ nem Herzen bewahren, mich ihrer erinnern, wenn mirs nöthig dünkt, aber noch einmal ſey's geſagt, ſo täuſcht ihr mich nicht mehr. Die Schlinge war künſtlich ge⸗ ſtellt, ich mußte darin hängen bleiben. Euer Kaltſinn, mit welchem ihr mich ſeit einigen Tagen ſo abſichtlich kränktet, einige verdächtige Worte, welche ihr noch laut genug ausſpracht, wenn ich mich nahte, und dann ver⸗ wirrt und mit einmal ſtille ſchwiegt, alles dies ließ mich die folgende That im Voraus argwohnen; ich glaubte ſie ſchon, ehe ſie begann, ich zweifelte nicht mehr, wie ſie ſich nahte.—— O ich werde dieſe harte Probe ewig nicht vergeſſen, nicht als ob ſie nicht des großen Lohns werth ſey, ſondern weil ſie mich ganz überzeugt, daß nur muthige, ich will nicht ſagen, tapfere Herzen ſie überſtehen können.
Friedrich. Verzeiht, vergebt, daß wir ſo hart“ euch prüften, aber bedenkt auch, daß ihr dadurch unſe⸗ rer Treue und Ergebenheit verſichert werdet. Wer euch


