16
bern ſtehe, und welche Nachricht ſie von ihren Män⸗ nern hätten? Eſchenbach traf ſeinen Vater im Hauſe der Tempelherrn; wie ſie ſich wechſelsweiſe umarmt und die Freude des Wiederſehens genoſſen hatten, forſchte er ſogleich nach den Weibern; ihm ward nun ausführliche Erzählung von allem, was ſich bis nach der Eroberung der Veſte Dok mit ihnen zugetragen hatte; doch füllte neuer Schmerz ſein Herz, als er hörte, daß Klara und Agnes zu ihren gefangnen Rittern unter des Sultans Schutze nach Jeruſalem gezogen wären. Er ſeufzte laut, und entdeckte ſeinem Vater alles, was ſich mit Heinrichen und Friedrichen zugetragen hatte, wie nun die Rache des Sultans auch die armen Weiber treffen würde. O, rief dieſer erſchrocken aus, dann trifft dieſe Rache auch den ar⸗ men Ritter Luvwig. Sobald der Friede geſchloſſen war, eilte er mit noch drei andern eures Bundes nach Jeruſalem, um Friedrichs und Heinrichs Freiheit nach Kräften zu fördern. Da der Sultan jedem, der ohne Waffen dahin ging freies Geleite zugeſagt, auch je⸗ dem Gefangnen ohne Ausnahme Löſung verſprochen hatte, ſo ahneten wir alle keine Gefahr, und ließen ſie in Frieden ziehen, weil wir uns von ihrer Gegen⸗ wart wohl Rutzen, aber nie Schaden verſprechen konn⸗ ten. Was werden wir nun Adelheiden ſagen, die ſchon mit großer Sehnſucht ſeiner Rückkehr entgegenſieht, ſie wird ſeinen Tod nicht mit gleicher Standhaftigkeit wie Kunigunde tragen, die wohl noch ſtets innig um ihren Gatten trauert, aber doch Troſt in dem Gedanken fin⸗ vet, daß er durch ſeinen Tod der Retter ſo vieler ward. Nach langem Rathſchlagen fanden ſie abermals, daß Verſchwiegenheit, wegen noch möglichen guten Ausgangs, das räthlichſte ſey, und gingen nun zu den Weibern, um ſie nach ſo langer Zeit einmal wieder zu begrüßen. Hoch, aber voll der Freude ſtaunten ſie,


