10
zu verhehlen ſuchte, war nur halb gelungen. Am Tage, als ſie floh, glaubte man zwar, daß die Flamme ihr Leben geendet habe, da aber des Feuers Macht bald und glücklich gedämpft wurde, man alle übrigen Wei⸗ ber gerettet ſah, nur ſie vermißte, und doch in der Aſche keines ihrer Gebeine fand, da erinnerte ſich der Oberaufſeher des Harems eines ähnlichen Falles, ſchöpfte Verdacht, und forſchte genauer nach. Im Gemache, welches ſie ſich zur Kapelle bereitet hatte, fand er Klei⸗ dungsſtücke, welche Adelgunde am Tage zuvor getra⸗ gen hatte; dies ſchon beſtärkte ſeine Muthmaßung; als er aber bald hernach im Garten das gelöste Git⸗ ter fand, und die von Friedrichen ſo weislich gerügte, noch hangende Strickleiter genauer unterſuchte, da ward ſeine Muthmaßung zur Gewißheit. Er forderte alle Bewohner des Harems vor ſich, er forſchte genau: ob keiner von dieſer Flucht Kundſchaft habe, und er⸗ ſchreckte durch ſeine Drohung eine alte Chriſtenſklavin, welche Adelgunden ſtets die Speiſen bereitet hatte. Sie geſtand, daß ſie zwar von ihrer Flucht nicht das ge⸗ ringſte wiſſe, aber gegründeten Verdacht habe, daß Adelgunde mit den Rittern, welche aus der Sulta⸗ ninnen Küche wären geſpeist worden, im Einverſtänd⸗ niſſe gelebt habe. Sie hätte, fuhr ſie fort, mehr als einmal ihr eine verdeckte Schüſſel reichen müſſen, in welche ſie ein bemaltes Papier legte, und dann die Schüſſel unter diejenigen zu miſchen gebot, welche man den gefangnen Rittern ſchicken würde. Ihr ſey dafür, endete ſie endlich, immer große Belohnung wor⸗ den; aber da Adelgunde ihr auch zum Lohne der Ver⸗ ſchwiegenheit die Freiheit verſprochen, und doch nicht ertheilt habe, ſo glauve ſie auch nicht länger ſchwei⸗ gen zu dürfen. Der frohe Emir ſandte nun gleich nach den Rittern; ihm ward aber bald die Nachticht,
daß ſie ehegeſtern auf des Divans Gebot ihre Freiheit


