verrathen! Unmöglich kann ſich ein Weib ihres Alters ſo ganz verſtellen! Und was konnte ſie zur Flucht rei⸗ zen? Was bewegen, einen Palaſt zu verlaſſen, in wel⸗ chem ſie als unumſchränkte Königin herrſchte?
Der Greis. Sie mag dir alle deine Fragen ſelbſt beantworten, denn ſchon naht ſie ſich der Hütte, nur ſo viel ſey dir indeß kund, daß die Urſache ihrer Flucht groß und edel war, daß ſie lieber in Elend und Dürf⸗ tigkeit ſchmachten, als die Geliebte eines Ungläubigen ſeyn wollte, der ſeine Hand ſtets mit dem Biute ihrer chriſtlichen Brüder befleckte.
Kaum hatte der Greis ſeine Rede geendigt, ſo trat der Sklave wieder ins Gemach. Friedrich und Hein⸗ rich unterſuchten nun mit gleich begierigem Auge ſeine Geſtalt, ſeine Geſichtszüge aufs neue, und verſicherten endlich im leiſen Tone den Greis, daß er ſich trügen müſſe, daß dies unmöglich Adelgunde ſeyn könne.
Der Greis. Wir wollens verſuchen! eim ernſten, raſchen Tone) Adelgunde von Zelano, wie kommſt du hieher?
Der Sklave cerſchrocken). Gilt das mir?
Der Greis. Und du kannſt noch fragen? Geh, und reinige dein Geſicht, dann kehre wieder, und gib Rechenſchaft, was dich zu ſo gefährlicher That verlei⸗ tet hat?
Der Sklave. Gott! Ich bin verloren! cknieend) Wunderbarer Alter, der du mit einem Blicke entdeckſt, was keines Menſchen Herz ahnete, erbarme dich meiner, verrathe mich nicht, überliefere mich nicht den Händen
der Ungläubigen, welchen ich mit ſo vieler Liſt entfo
hen bin. E Der Greis. Steh auf und ſey getroſt! Ich wil nicht dein Verräther, ich will dein Vater werden. Geh, reinige dein Geſicht, und überzenge die Ritter, daß du Adelgunde biſt.


