17¹
genauer, ſein von der Sonne verbranntes Geſicht gleicht einem Aſiaten, ſein dichter Bart beweist deutlich ſeine Mannheit, und ſeine ſtotternde Sprache——
Der Greis. Als ob dies alles nicht Verſtellung ſeyn könne! Als ob der Saft des Aloeholzes nicht gelb färbte? Harre, bis ſie wiederkehrt, und dir ſoll Beweis werden.
Friedrich. Laß uns ihr lieber entgegen eilen, denn iſt dein Ausſpruch Wahrheit, ſo ſiehſt du wohl ſelbſt, in welche Gefahr uns die Unvorſichtige ſtürzte, welche ſchreckliche Strafe unſer harrt, wenn wir ent⸗ 5 würden. Tauſende werden ſchon nach ihr umher⸗ ſpähen.——
Der Greis. Martere dich nicht mit Vorſtellun⸗ gen, deren Erfüllung unmöglich iſt. Dieſe Kluge hat ihre Flucht nur allzu gut geſichert. Erinnerſt du dich noch, daß eben, wie du auszogſt, Feuer den Palaſt des Sultans verzehrte?2
Friedrich. Ich erinnere mich deſſen ſehr wohl.
Der Greis. Der Urheber dieſer Flammen war ſie; als ſie im Sklavenkleide entfloh, da legte ſie Feuer unter ihr Lager, es flammte bald empor, verzehrte dies und das ganze Gemach, ehe Hilfe erſcheinen konnte. Wie kannſt du alſo wähnen, daß man die Verlorene in deinem Gefolge ſuchen wird, da man doch über⸗ zeugt iſt, daß die Flamme ſie elendiglich verzehrte. Schon iſt dieſe ſchreckliche Rachricht dem Sultan wor⸗ den, ſchon trauert er innig um die Heißgeliebte, wünſcht Friede mit den Chriſten, um ungeſtörter trauern zu können. Kommſt du nach Akkon, ſo rathe deinen und meinen Brüdern, daß ſie die Gelegenheit nützen, und ihre ſchwachen Kräfte zur künftigen Fehde ſparen⸗ Friedrich. Wenn's wirklich ſo wäre! Noch kann ichs nicht faſſen, denn auch kein Zug ihres Geſichts, kein Ton ihrer Sprache hat ſich guf dem langen Wege


