Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
Entstehung
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fanden ſie in einer leeren Schüſſel einen Zettel fol⸗ genden Inhalts:Wenn die Sonne ſich zum Unter⸗ gange neigt, ſo wandelt zum Hauſe, in welchem einſt der Heiland das Oſterlamm, ich will dann ſehen: ob mich meine Augen nicht täuſchten, ob ihr wirk⸗ lich diejenigen ſeyd, die es zu ſehen wünſcht? Harrt meiner, bis ich komme, ihr ſollt mich dann auch ken⸗ nen lernen. Vielleicht kann ich wieder vergelten, viel⸗ leicht Doch das weitere dann erſt, wenn ich überzengt bin. Die Ritter laſen dieſen merkwürdi⸗ gen Zettel, der zwar in deutſcher Sprache, aber ſehr unleſerlich mit rother Farbe geſchrieben war, mehr als einmal; ſie prüften die verlangte That, und da ſie dabei nichts verlieren, wohl die Bekänntſchaft eines neuen Freundes gewinnen konnten, ſo beſchloſſen ſie, um die beſtimmte Zeit hinzugehen. Wie ſie daſelbſt anlangten, verſagte ihnen die dort ſtehende Leibwache des Sultans den Eintritt; ſie wunderten ſich deſſen, erfuhren aber bald, daß das Lieblingsweib des Sul⸗ tans, welches auch eine Chriſtin ſey, im Hauſe jetzt bete, und folglich kein Mann ſich der Schwelle nahen dürfe. Wie ſie noch im Vorhofe ſtanden, trat dieſe auch wirklich heraus: alle Männer warfen ſich zur Erde, nur die Ritter thatens nicht, und eilten rückwärts, um zu dieſer ſelaviſchen Verehrung nicht gezwungen zu werden. Die Sultanin ging vorüber, und die Ritter eilten ins Haus, um denjenigen zu erwarten, der ſie dahin beſchieden hatte; aber niemand erſchien, und ſie mußten mit un⸗

befriedigter Nengierde von dannen gehen. Am folgen

den Tage fanden ſie in der nämlichen Schüſſel einen andern Zettel.Wärt ihr gar nicht gekommen, ſtand

darin geſchrieben, ſo hätte ich vermuthet, daß der Zet⸗

tel nicht in eure Hände kam, daß ihr ihn nicht zu

leſen verſtandet. Jetzt bleibt mir nur die Hoffnung

daß ihr wirflich die gefühlloſen Deutſchen ſeyn müßt,