Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

15

maßungen, bis des Biſchofs und eure Ankunft mich auf andre Gedanken brachte. Es lohnt ſich doch der Mühe, den Sarg näher zu unterſuchen! Vielleicht ſin⸗ det ihr Aufklärung darin, nur wünſche ich von ganzem Herzen, daß nicht irgend ein todtes Liebchen von euch darin ruhe, daß nicht vielleicht, ehe ich ankam, mehrere Särge in die Gruft geſenkt worden, und ihr nun un⸗ ter den Todten findet, was ihr bisher ſo emſig unter den Lebenden ſuchtet. Meine plauderhafte Zunge hätte dann ſchlechten Lohn von euch zu erwarten. Doch iſt Gewißheit des Unglücks immer beſſer, als ſtete, bange Erwartung deſſelben. Ihr erfahrt dann doch, woran ihr ſeyd, und könnt euch früher drein ſchicken lernen⸗ Beim Anfange dieſer nun geendigten Erzählung hatten ſich die Ritter eng um den Erzähler zuſammen⸗ gereiht, ſie horchten voll Erwartung zu; als er aber des Sargs erwähnte, da erblaßten ihre Angeſichter, und als er gar des möglichen Inhalts gedachte, da bebten ſie ſchaudervoll zurück, und ſtanden, wie er en⸗ dete, in einzelnen Gruppen ſprachlos da. Sie glichen vollkommen einem Schiffer, der ſchon lange dem har⸗ ten Sturme trotzte, vergebens den Hafen ſuchte, ihn auf einmal zu erblicken glaubt, eilfertig dahin ſteuert, und nun zu ſpät gewahrt, daß der ſich nähernde Ge⸗ genſtand kein Hafen, ſondern ein ſteiler Fels iſt, an dem ſein Schiff ohne Hoffnung ſcheitern muß. Noch lange ſtunden ſie unentſchloſſen ob ſie dem Winke des Erzählers Folge leiſten, ſich mit einmal alle Hoffnung rauben, oder die Erzählung für einen Traum halten und ferner noch hoffen ſollten? Friedrich war der erſte, welcher Muth faßte; er ſuhr einigemal mit der Hand über ſein bleiches Geſichte, weckte ſein Gefühl, und ge⸗ bot im düſtern Tone dem Laibruder, die Fackel zu zün⸗ den und ihn nach der Gruſt zu führen. Heinrich nebſt Eſchenbach und Wieſenborn ſchloſſen ſich dicht an ihn