Teil eines Werkes 
1. Band (1844)
Entstehung
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Biſchof. Allzugroße Hitze, allzuſchnelle Eile ver⸗ eitelt oft die ganze Abſicht und Handlung. Erlaubt mir, daß ich durch eine einzige Frage die erſtere dämpſe, die letztere mäßige.

Graf Frohburg. Frage ſchnell, ſonſt verweht der Flug unſrer Roſſe die Antwort!

Biſchof. Was iſt die Abſicht eures Zuges?

Alle(im wilden Geſchreie durch einander). Rache, blutige Rache über die ehrloſen Buben!

Biſchof. Und nicht auch Rettung der Weiber?

Viele Ritter. Auch, auch!

Biſchof. Wie wollt, wie könnt ihr nun dieſen verſchiedenen Zweck mit einander vereinigen!

Friedrich. Erſt Rettung, dann Rache!

Biſchof. Wohl geſprochen, aber ſchwer auszufüh⸗ ren! Beginnt ihr die Rettung mit Gewalt, ſo werden ſie euern Streichen die gefangenen Weiber entgegen⸗ ſtellen, und wer unter euch wird ſie hinter dieſer Schutz⸗ wehr antaſten? Fordert ihr die Zurückgabe der köſtli⸗ chen Beute öffentlich, ſo werden ſie traun nicht ſo al⸗ bern und thöricht ſeyn, euch dieſe ohne Bedingung aus⸗ zufolgen. Ihr werdet Friede und ewige Vergeſſenheit zuſichern müſſen, und ohne Ahndung der Frevelthat von dannen ziehen müſſen.

Graf Farnsburg. Ein möglicher Fall! Kennſt du beſſern Rath?

Biſchof. Ich kenne ihn. Erlaubt, daß ich mit meinen Reiſigen und Knechten voraus nach dem Klo⸗ ſter ziche. Jugendeile ſoll dieſen Zug beginnen und endeyn. Die Pforte des Kloſters ſteht mir als dem Biſchof offen. Kein Mönch wirds wagen, ſie vor mir zu verſchließen. Ich laſſe mir dann alle geheime Ge⸗ mächer deſſelben öffnen, und finde ich die Weiber in einem derſelben, ſo ſchwöre ich euch im Angeſichte des gerechten Gottes, daß ich ſie ſicher und treu in eure Hände überantworten will.