Teil eines Werkes 
1. Band (1844)
Entstehung
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Graf Frohburg. Golt, du ſah'ſts! du wirſi auch meine Rache ſehen und ſie billigen! Aber noch bin ich nicht belehrt genug! Wie konnten die Räuber die Veſte ſo ſchnell erobern?

Ein Weib. Euer Bote, den ihr ſandtet, und wel⸗ cher geſtern hier anlangte, war die Urſache all unſers Ungläcks. Seine Erzählung weckte aller Herzen zur Freude, zum Jubel. Eben waren, die Jungfrauen mit ihrem Putze fertig und die Willkommsbecher ſchon ge⸗ füllt, als der Thurmwächter eure Ankunft verkündete. Alkes eilte auf die Mauern, und als wir das Löwen⸗ fähnlein erkannten, die gelben Federn auf den Helmen der Ritter wehen ſahen, da jubelte alles, was eine Zunge hatte, da eilten alle, die ihre Füße bewegen konnten, dem Zuge entgegen. Getäuſcht durch alle dieſe Zei⸗ chen, liefen die Dirnen den Räubern ſelbſt in die Arme, und erkannten erſt zu ſpät, daß Räuber ſie getäuſcht hatten und ihnen ihre Hände zum Willkomm boten. Die wehrloſen Reiſige eilten zwar nach ihren Waffen zurück, aber mit ihnen drang auch der wilde Haufe in die Veſte ein, und ehe die unſrigen ſich zur Wehre ſtellen konnten, waren die meiſten ſchon getödtet, die übrigen ſchon gefeſſelt!

Friedrich(bitter). Wißt ihr nun alles? Hat eure Verzögerung gefruchtet?

Ein Weib czu Friedrich). Ach, ihr hättet nur ſehen ſollen, wie die Jungfrauen ſich ſo ängſtlich geberdeten, wie ſie klagten und weinten, euern Namen nannten und um Hilfe riefen!

Friedrich. Sie rufen noch, und wir Hartherzigen zögern! Fort! Fort!

Graß Farnsburg. Noch einen Augenblick! Er iſt der wichtigſte! Auch meine Töchter ſind gefangen!

Friedrich. Nein! Nicht länger! Fort, fort!

Graf Farnsburg. Der Löwe gebietet, und Du