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Veſte war wohl verwahrt und bewacht. Wie wars möglich, daß die Räuber ſo ungehindert eindringen, ſie ungerochen zerſtören konnten? Hier muß Verräthe⸗ rei ihre ruchloſe That befördert haben. Entdecke ich
dieſe, ſo wirds auch nicht ſchwer halten, die Räuber
mit ihrer Beute zu finden!
Einige Ritter. Er ſpricht weiſe und gut! Be⸗ ginne! Wir harren!
Graf Frohburg Gu den Weibern). Wo ſind eure Männer! Wo find die übrigen Knechte, welche ſich ſo ſchimpflich übermannen ließen?
Ein Weib. O Gott! Ihr Ende war ſchrecklich! Wir vergaßen über euer Unglück das unſrige! Die Rückerinnerung nagt ſchrecklich an meinem Herzen! Auch ich habe Gefühl! Ich hatte geſtern noch Gatte und Kinder! Jetzt habe ich keines von beiden mehr! O es war ſchrecklich, es war ſchändlich! Gautes Schluch⸗ zen verhindert ſie, weiter zu reden.)
Graf Frohburg Gu einer andern). Sprich du! Sind meine Reiſigen, meine Knechie alle ermordet? Oder ſind ſie ſchändlich entflohen?
Ein Weib. Keiner hat ſeinen Eid verletzt! Viele ſanken im Kampfe! Die übrigen, welche gefangen wur⸗ den, lagen dieſen Mörgen noch gebunden im Vorhofe, als der Abzug der Räuber begann. Schon wollten wir aus dem Winkel, in welchen wir uns verſteckt hat⸗ ten, hervoreilen und ihre Bande löſen, als ein Haufe zurückkehrte und die Gefeſſelten mit fortſchleppte. Wir würden ihren Zug genauer beobachtet haben, wenn nicht Rauch und Flamme, welche in dieſem Augenblicke überall hervorbrach, uns aufs neue geängſtigt hätte Wir fanden nirgends einen Ausgang; um unſer Leben zu retten, mußten wir über die hohe Mauer herab⸗ ſpringen. Nur uns wenigen gelang der Sprung, d übrigen liegen dort zerſchmettert am Boden!


