Farnsburg, wenn ihr fertig ſeyd, ſo ſoll das Feſt be⸗ ginnen.— Noch hatte die Sonne nicht die halbe Höhe des Mittags erreicht, als ſchon alle Bräute im Glanze und Schmucke im Burgſaale erſchienen; ihrer harrten ſchon die verlobten Ritter, und empfingen vereint mit ihnen der Eltern und Freunde Segen. Sie zogen nun nach der Burgkapelle, wohin der alte Graf Farns⸗ burg ſeinen alten Bundsfreund und Burgkaplan zur Trauung beſchieden hatte. Wie der Zug bei der Ka⸗ pelle anlangte, trat der Prieſter im ſchwarzen Meßge⸗ wande heraus und ſchloß die Thüre hinter ſich zu.
Der Pfaffe. Schwer wird es heute meinem Her⸗ zen, die Pflichten eines Prieſters zu erfüllen und mein Amt zu verwalten. Ihr kommt, um meinen Segen zu empfangen, und ich kann euch nichts als Fluch ge⸗ währen. Geächtete! Verbannte! weicht von hinnen, ihr dürft die Schwelle des heiligen Tempels nicht be⸗ treten!
Graf Farnsburg. Freund! Prieſter meines Vunds! Bedenke, was du ſprichſt! Nimm deine treu⸗ loſen Worte zurück, oder ich muß glauben, daß unter jeder Kutte ein verrätheriſches Herz ſchlägt!
Pfaffe. Glaube, was du willſt, ich muß nach Pflicht und Gewiſſen handeln. Ich war Prieſter dei⸗
unes Bunds, ſo lange du die Unſchuld ſchützteſt und,
der Waiſen und Wittwen Thränen trockneteſt. Ich ſeg⸗ nete deinen Ein- und Auszug. Nun muß ich ihn ver⸗ fluchen.
Graf Farnsburg. Habe ich je dawider gehan⸗ delt? Habe ich meinen Eid nicht immer gewiſſenhaft erfüllt?
Pfaffe. Du haſt mindere Sünde durch ein grö⸗
teres Verbrechen zu tilgen geſucht! Taſte meinen Ge⸗ ſalbten nicht an, ſo ſpricht, ſo befiehlt Gott! Prüfe
dein Herz, ob du dies Gebot nie übertreten haſt!


