Graf Farnsburg czu Agneſen). Wie willſt, wie kannſt du nun dieſe ihm vergüten?
Agnes. Wie? O Vater! Eure Frage beweist deutlich, daß ihr der Liebe Freuden ſchon vergeſſen habt. Liebt er mich innig, ſo muß alle ſeine Qual und Pein ein einziger Blick, ein einziger Kuß lohnen! (ſie küßt ihn). Nicht wahr, Heinrich, dies war Lohn in Fülle!
Heinrich(ſie wieder küſſendd. O gewiß! Beſon⸗ ders wenn man dieſen ſüßen Lohn immer fordern, immer erneuern darf! Um aller Schätze willen würde ich jetzt die harte Probe nicht vertauſchen. Die Ge⸗ wißheit des Verluſtes läßt mich die unnennbare Freude des Beſitzes erſt recht fühlen.
Graf Farnsburg. Wenn dir's genügt, wenn du keine Genugthuung forderſt, ſo ſind wir's alle herz⸗ lich zufrieden!
Ritter Schnabelburg. Nur ich nicht! Mir muß zur Vergeltung, daß ihr meinen Namen ſo eitel nanntet, doch irgend ein Lohn werden. Seht, ich bin billig! Ich fordere von euch, Agneſe, nur einen einzigen Kuß! Aber wird er mir nicht freiwillig, ſo geb' ich meine Anſprüche nicht auf.
Alle Ritter clachend und ſcherzend). Recht! Recht! Strafe muß ſeyn.
Agneſe czu Heinrichen). Soll ich?
Heinrich. Von Herzen gerne!(Agneſe küßt Schua⸗ velburgen lachend) Mit dem erſten, auch den letzten!
Heinrich eſchaudernd). Ha! jetzt fühle ichs erſt, wie's mich gepeinigt hätte, wenn euer Trug Wahr⸗ heit geweſen wäre! O ich hätt's nicht ausgehalten!—
Alle nahmen nun wieder ihre Plätze ein und zech⸗ ten wacker. Beſonders fröhlich und luſtig war der alte Farnsburg, da ſein Wunſch ſo ſchnell erfüllt wurde Er freute ſich ſchon im voraus des glücklichen


