Teil eines Werkes 
1. Band (1844)
Entstehung
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man deutlich den Wunſch leſen: O wäre doch ich der Glückliche! O wählte ſie doch mich! Ihre Hand winkte, und ſeierliche Stille herrſchte im ganzen Kreiſe; kei⸗

ner wagte es, ſich zu regen, um jedes Wort der ſchö⸗ nen Adelheid hören zu können. Edle Ritter und Freunde!

ſprach ſie, ich danke euch herzlich, daß ihr meine Hand des Preiſes und Kampfes würdig achtet! Ich gelobe es euch hier öffentlich, daß ich dieſe Großmuth vergel⸗ ten will. Noch iſt mein Herz frei, noch iſt es an kei⸗ nen Mann verſchenkt. Ich will alſo nicht nach Gunſt, nicht nach geheimer Regung, ich will nach Gewiſſen wählen. Hand und Herz ſoll dem gehören, welcher die ſchönſte, die edelſte That begann! Da ihr mir aber freie Wahl gewährtet, ſo müßt ihr dieſe auch nach der Denkungsart eines Mädchens beurtheilen. Oft ſcheint uns dasjenige grauſam, was euch tapfer dünkt. Oft erregt euer Siegesjubel uns Schaudern, und oft fal⸗ len Thränen in den Willkommsbecher, welchen wir den Siegern reichen müſſen. Beurtheilt meine Wahl aus dieſem Geſichtspunkte, und ihr werdet ſie gewiß billig und ächt finden!

Lauter Jubel und Schilderklang war der Ritter Ani⸗ wort. Voll Begierde, den ſchönen Preis zu erringen, reihten ſie ſich nun an einander und begannen die Erzählung ihrer Thaten. Ich würde weitläufig und er⸗ müdend werden müſſen, wenn ich jeden einzelnen Rit⸗ ter redend aufführen wollte. Auch waren ihre Erzäh⸗ lungen meiſtens gleichförmig, meiſtens ſich ähnlich. Dieſer hatte zwei, jéner drei, und ein anderer wieder fünf Feinde getödtet. Viele zeigten Adelheiden ihre Wunden, aus denen noch Blut quoll, das ſie um des ſchönen Preiſes willen vergoſſen hatten. Oſt trübie ſch Adelheids Auge, oft ſchlichen Thränen über ihre Wange herab, wenn ihre Einbildungskraft ſie mitten

ins Geſecht führte, ſie nun ſah, wie dort einer ver⸗