Teil eines Werkes 
1. Band (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

von Zähringen gegeben; da er aber ſah, daß dieſer ſeine Wahl nicht behaupten konnte, ſo überließ er den Ausgang Gott, und gelobte im Voraus demjenigen Treue und Gehorſam, den ſein mächtiger Arm zum Kaiſer und Herrſcher der Deutſchen einſetzen würde. Sein mächtiges Anſehen, ſein großer Reichthum ſchützte bisher ſein Gebiete, welches ſich über das ganze Ifen⸗ thal in Helvetien erſtreckte, vor jedem Ueberfall. Ru⸗ hig wandelten ſeine Unterthanen, bauten ihre Aecker und genoßen ihre Früchte.

Als er einſtens noch ſchlafend auf ſeinem Lager

lag, trat ſein älteſter Sohn in ſein Gemach und weckte ihn.

Vater. Was iſt's? bringſt du unangenehme Bot⸗ ſchaft?

Sohn. Verzeiht meinem Ungeſtüme! Ich kann's

nicht länger aushalten! Seit einigen Stunden brennt

ſchon die Veſte Hagberg. Der arme Ritter iſt mein

Jugendfreund! Denkt, Vater, was ich bei ſeinem Un⸗ glücke fühlen muß!

Vater. Wollen's zu verringern ſuchen! Holz und Steine gibts ja noch genug in unſerm Forſte! Hier! meine Hand drauf, binnen Johresfriſt wird er ſeine neue Veſte wieder bewohnen können, und dann wol⸗ len wir wacker beim Einweihungsfeſte zechen!

Sohn. Werden's nie, Vater!(düſter und wild.

Müßten denn den Willkommsbecher mit meines Freun⸗

des Blut füllen, um unſre ſchlafende Seele zur Rache gegen ſeins Mörder zu erwecken! Auch ich hielts An⸗ fangs für eine zufällige Feuersbrunſt, und ſandte alle

Knechte mit Löſchgetäthe zur Hülfe. Vor kurzem kehr⸗

ten ſie zurück. Ludmann von Rothberg hat den Si chern in der Nachtszeit überſallen, hat ihn au der

hüte ſeines Gemaches getödtet, ſein Weib und ſeine Vder 3blelt ſein ganzes Habe fortgeſchleppt, uns