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der Knecht und ging wieder nach dem Dorfe zu⸗ ruͤk. Der arme Alte, der ſeinen Herrn todt, ſich huͤlflos und elend mitten unter den ſchreklichſten 8 Kriegsgefahren in einem fremden Lande erblikte, ſank ohnmaͤchtig zu Voden. Wie er wieder Le⸗ ben und Daſein empfand, jagte ihn Angſt und Schrekken von dannen, er lief die ganze Nacht hindurch uͤber Wieſen und Felder, vermied ſorg⸗ faͤltig ieden bewohnten Ort, und kehrte erſt am andern Abend in einem kleinen Dorfe ein, weil er aus Mattigkeit und Hunger nicht weiter gehen konnte. Zum Gluͤkke war dieſes Dorf von Deut⸗ ſchen bewohnt, einer derſelben nahm ihn liebreich auf, und er blieb vier Jahre bei ihm, half ihm nach Kraͤften arbeiten, und kehrte endlich auf ei⸗ nem Transportſchiffe, welches die Heſſen wieder in ihr Vaterland rükfuͤhrte, mit dieſen in ſeine Hei⸗ math zuruͤt. Hier ward er Verkuͤndiger des Un⸗ gluͤks und ſchreklichen Todes ſeines Herrn.
Viele bedauerten ihn, und weihten dem Un⸗ gluklichen eine Thraͤne, aber noch mehrere nannten ihn einen Abentheurer, der durch ein Wagſtuͤk ſein
zerſtoͤrtes Gluͤk wieder aufbauen wollte, und den un⸗ gluͤklichen Erfolg mit vollem Rechte gebuͤßt habe.
Ihr Urtheil war aͤuſſerſt lieblos, aber eben deswe⸗ gen das allgemeine, weil man den Ungluklichen ſo gerne einen Boͤſewicht nennt, um mit ſeinem gluk⸗ lichen Zuſtande, der oft nur Zufall iſt, als einen gerechten Lohn prahlen zu koͤnnen.
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