Teil eines Werkes 
Zweites Bändchen (1797)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12 iederzeit ihn und ſeine Beſchaͤftigung ſehen und beobachten konnte. Im Hofe ſtand gewoͤhnlich geſpaltnes Holz, Wilhelm benuzte ſolches zu ſei⸗ nem Spiele, und ſchnizelte ſich irgend ein Spiel⸗ zeug; endlich begann er gar ein kleines Haus zu bauen, aber ſein ſchwaches Meſſer zerbrach, und er mußte mien im Baue aus Mangel eines an⸗ dern innehalten. Und doch lag ihm dieſer Bau ſo ſehr am Herzen, beſchaͤftigte ihm am Abende, wenn er einſchlief, am Morgen, wenn er erwachte. Sein Vater hatte auf ſeinem Schreibtiſche ein Federmeſſer liegen, dieſes mußte, ſeiner Einbil⸗ dung nach herrlich ſchneiden, die Begierde dar⸗ nach ward groß, und wie der Vater einſt in Ge⸗ ſchaͤften ausritt, konnte Wilhelm der Verſuchung nicht laͤnger widerſtehen, er nahms vom Tiſche, und foͤrderte mit Huͤlfe deſſelben ſeinen Bau in wenig Stunden um ein groſſes, aber der Vater kam unverſehens heim, ſezte ſich ſogleich an ſei⸗ nen Schreibtiſch, und verhinderte dadurch Wil⸗ helmen, das Meſſer wieder an ſeinen Plaz zu le⸗ gen. Nach kurzer Zeitfriſt vermißte der Vater, welcher eben eine Feder beſſern wollte, das Meſ⸗ ſer. Wie er vergebens geſucht, vergebens dar⸗ nach gefragt hatte, ward Wilhelm ins Examen gerufen. Seine Großmutter lauerte an der Thuͤre. Wenn du etwann, flͤſterte ſie leiſe, deines Va⸗ ters Federmeſſer verſchleppt haſt, ſo geſtehs nicht, ſonſt ſchlaͤgt er dich tod. Wilhelm befolgte den Rath; läͤugnete ſtandhaft, zeigte ſein zerbrochenes