Teil eines Werkes 
Zweites Bändchen (1797)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

und ward aͤuſſerſt zornig, wenn man dieſen nur im geringſten weigerte. Er behandelte alle ſeine Untergebnen nach der ſtrengſten Subordinazion, die er bei den Soldaten ausgeuͤbt hatte, und konn⸗ te nie begreifen, warum man ſie im buͤrgerlichen Leben nicht eben ſo ſtreng uͤbe.

Nach Jahresfriſt gebahr ihm ſeine Frau ei⸗ nen Sohn, und ſtarb am dritten Tage an den Folgen einer ungluͤklichen Entbindung. Der Va⸗ ter hatte das Kind vorher mit warmer Freude und aͤchter Ruͤhrung in ſeine Arme geſchloſſen, izt ſtieß er es unwillig von ſich, weil ſeine Geburt ihm eine Gattin geraubt hatte, die er wuͤrklich herzlich liebte. Lange trauerte er uͤber ihren Ver⸗ luſt, lange nannte er den unſchuldigen Knaben einen Muttermoͤder, konnte ſeine weinende Stim⸗ me nicht hoͤren, und wollte ihm nie in ſeinem Zimmer dulden. Ein Gluͤk, daß die Grosmutter des Knaben noch lebte, izt Wittwe geworden war, die Haushaltung des Vaters fuͤhrte, und nebenbei alles anwande, um das theure Andenken ihrer geliebten Tochter ſorgfaͤltig zu warten und zu pfle⸗ gen. Ihre Muͤhe gelang, ungeachtet der Knabe nie die Muttermilch gekoſtet hatte, nur bei Waſ⸗ ſer und Brei erzogen ward, ſo gedeihte er doch treflich, kroch nach Jahresfriſt im Gemache um⸗ her, lief und ſprach vollkommen, als er das zweite Jahr ſeines Alters erreicht hatte. In dieſer Zeit ſchien erſt der Vater den ungerechten Haß zu ver⸗ geſſen, mit welchem er den armen Knaben or⸗