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ihr der Kammerfrau zur Huͤlfe beigeordnet, um
auf dieſe Art von derſelben doch wenigſtens eini⸗ gen Mutzen zu ziehen.
Paulinens ſchoͤne Bildung, die ſich taͤglich mehr entwickelte, ihre natuͤrliche Grazle, ihr Ver⸗ ſtand, ihre einſchmeichlende Gefaͤlligkeit verſchaf⸗ ten ihr bald das Wohlwollen ihrer Wohlthäterin. Pauline war eine kleine Schmeichlerin, kannte die Launen ihter Gebieterin und wuſte ſich in die⸗ ſelben zu ſchmiegen, und bald ſchenkte ihr dieſel⸗ be ihre Zuneigung, die ſich taͤglich verſtaͤrkte, und die endlich in die Zaͤrtlichkeit einer Mutter uber⸗ gieng. Madame d'Eperon gewohnte ſich nach und nach an den Gedanken, daß Pauline ihr die Lůcke ausfuͤllen konne, welche das Schickſal ihr gelaſſen, indem es ihr Kinder verſagt hatte, und daß ihr hier wohl herzlicher fuͤr ihre Wohlthaten gedankt werden wuͤrde, als von den Bettlern, deren Indolenz ſie durch eine Stiftung zu erhal⸗ ten ſich vorgenommen hatte. Pauline erhielt nun eine moderne Erziehung. Man bilbete ihr Aeußeres aus, und gab ihr den Firniß der Mode. Sie entſprach den Bemuͤhungen, die man auf ſie ver⸗ wendete, und ward eine Coquette des gewöhnlichen Schlags, mit einer glaͤnzenden Auſſenſeite, einem nicht bdſen Herzen, großem Verſtande, aber mittle⸗ rer nicht feſter Moralitaͤt; eine leichtſinnige Thoͤrin,
Spieß Kriminalgeſch. 3 Thl.


