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als ihre wirkiich unbeſtreitbare Herzensguͤte. Ohne Aufwand, nur mit einer Kammerfrau unb zwei Bedienten, lebte ſie einfach und beſchraͤnkt im Be⸗ ſitze von einer Tonne Goldes, welche ſie taͤglich zu vermehren zweckte, um den fromm phant aſti⸗ ſchen Plan auszufuͤhren, einſt von ihrem Reich⸗ thume eine milde Stiftung anzulegen, welche ih⸗ ren Namen wenigſtens bei den Tagdieben verewi⸗ gen ſollte, die durch dieſelbe in den Stand kom⸗ men ſollten, faullenzen zu koͤnnen.— Es war eine gemeine Seele, weder gut, noch ſchlinm, Sklavin ihrer augenblicklichen Einfaͤl⸗ le, ihrer Leidenſchaften und einſeitigen Begrif⸗ fe, ein ſchwaches, ſtets von andern abhaͤngiges Weib. 45
Dieſe Matrone unterlag auch diesmal einer augenblicklichen Ruͤhrung, welche bei der ruͤhren⸗ den Erzaͤhlung Paulinens ſich ihrer bemaͤchtigte. Sie verſprach mit enthuſiaſtiſchem Eifer, ſich der Huͤlfloſen anzunehmen und ſie nie zu verlaſſen, und fuͤhlte nach drei Stunden, wie ihr das bei allen ihren regelloſen Anwandlungen, den bloßen Aufwallungen einer fliegenden Hitze, ſtets ge⸗
ſchah, ſchon die lebhafteſte Reue wegen dieſes
Verſprechens, welches ſie mit einem Koſtgaͤnger mehr belaͤſtigte.— So fruͤh zuruͤckzugehen und ſich des Mädchens ſogleich wieder zu entledigen, deſſen ſich anzunehmen, ſie eben erſt mit ſo vie⸗ lem Eifer verſprochen hatte, konnte ſie gleichwohl nicht, und in dieſem Zwange ward Pauline von


