Teil eines Werkes 
Dritter Theil (1804)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

223

gegenuͤber eine bejahrte Wittwe von Stande. Dieſe, als ſie von ihren Leuten die ſo eben be⸗ kannt gewordene Geſchichte bei dem Fruͤhſtuͤcke ver⸗ uahm, intereſſirte ſich um den Gegenſtand, wel⸗ cher in derſelben die Hauptrolle ſpielte. Sie ließ Paulinen zu ſich bringen, wahrſcheinlich blos in der Abſicht, um ihre Neuglerde zu befrledigen, um aus dem Munde der ſeltnen Unglüͤcklichen ihre ſonderbare Geſchichte zu vernehmen, und ſie dann etwa mit einem kleinen Geſchenke und vie⸗ lem guten Rathe zu entlaſſen, wie es die Men⸗ ſchen gewoͤhnlich Ungluͤcklichen zu geben pflegen, wenn die Erzaͤhlung ihres Ungluͤcks ihre Neugier⸗ de befriedigt hat.

Paulina erzaͤhlte der Wißbegierigen ihre un⸗ gluckliche Geſchichte mit der liebenswuͤrdigen Nai⸗ vetaͤt, welche ihrem Alter und der Grazie, welche ihrer Perſon eigen war. Als ſie geendet, warf ſie ſich zu den Füßen der Dame, und bat ſo ruͤhrend um ihre Huͤlfe, daß dieſe ihr dieſelbe nicht verſagen konnte.

Die Frau von Epernon war die ſechzigjaͤhri⸗ ge Wittwe eines Edelmanns, der ſie bei ſeinem Tode in den Beſitz ſeines ſehr betraͤchtlichen Ver⸗ mögens geſetzt harte, welches ſie jetzt in an⸗ ſpruchloſer Ruhe genoß. Sie hatte keine Kinder, nicht einmal Verwandte, und nichts wuͤrde die⸗ ſelbe gehindert haben, ihre Wohlthaͤtigkeit uͤber eine große Anzahl Nothleidender zu verbreiten, wenn nicht ihr Geiz noch großer geweſen waͤre,