der Oberſte einer Zunft werden wollte, deren er⸗ ſte Pflicht Keuſchheit war.
Die zartliche Joſephine konnte indeß nicht ohne ihr Kind ſeyn. Sie erklaͤrte dem Kardinale, ſo wie dem Pabſte, daß es ihr ohnmoglich ſey, ohne daſſelbe zu leben. Dieſe, welche ſoviel ihr zu danken hatten, ließen ſich gerne den Plan ge⸗ fallen, welchen zu dieſem Zwecke Joſephine mit eben ſo viel Liſt als Kunſt entwarf und ausfuͤhr⸗ te, und halfen ſogar noch, denſelben auszufuhren, well ſie vorherſahen, daß ſonſt Joſephine das Kind dennoch immer bey ſich haben, und indem ſie kh⸗ re Zärtlichkeit fur daſſelbe nicht verläͤugnen kon⸗ ne, den Verdacht wieder aufregen wurde, der eben jetzt erſt ſich zu entfernen anfing.
Joſephine hatte ein Maͤdchen bey ſich, das mit ihr in gleichem Alter und mit ihr erzogen wor⸗ den, und das ſie mit der Zaͤrtlichkeit einer Schwe⸗ ſter liebte. Dies Verhaͤltniß war allgemein be⸗ kannt, denn nie ſah man Joſephinen ohne ihre Freundinn Antonie. Antonie liebte mit gleicher Waoͤrme ihre Freundinn und Wohlthaͤterin, und erbot ſich zu einem Beweiſe ihrer Liebe, der, in⸗ dem ſie ihre Ehre und Ruf der Freundſchaft zum Opfer brachte, der groͤßte war, den ſie zu geben vermochte. Antonie ſpielte die Rolle einer Ge⸗ bäͤhrerinn und Wochnerin, und man gab ſich Muͤhe, es im Publikum bekannt zu machen, daß
ſie von einem Knaben entbunden worden ſey.—


