12
Stand, zu welchem Joſephinens Geliebter ge⸗
zwungen worden, hinderte zwar die Liebenden, ganz gluͤcklich zu werden, aber er hinderte dieſelben nicht, ſich zu lieben. Joſephine war ſtaͤrker, als die Konvenzion, ſie ſetzte ſich uͤber die Vorurthei⸗ le und Fehler derſelben hinweg, der geiſtliche Stand ihres Geliebten war keine Scheidung ihrer Liebe, denn der Kardinal hatte noch nicht aufge⸗ hoͤrt, liebenswuͤrdig zu ſeyn, und er war dem Maͤdchen durch den Widerſtand, den er aus Liebe zu ihm gegen ſeine Eltern geleiſtet hatte, und der ihr ein ſo dentlicher Beweis war, mit welcher Waͤrme ſie geliebt ward, nur noch theurer gewor⸗ den.
Des Kardinals Eltern ſo wie jene Joſephi⸗ nens mißbilligten eine Verbindung, aus der nie gute, wohl aber unendlich viele nachtheilige Fol⸗ gen entſtehen konnten, und ſie erwirkten wenig⸗ ſtens eine Art von Zuruͤckgezogenheit unter bey⸗ den; aber nichts in der Welt konnte die Liebe der⸗
ſelben unterbrechen, die ſie uͤberall und bey alleu
Gelegenheiten bekannten, nichts in der Welt Jo⸗
ſephinen bewegen, ihre Hand einem der vlelen
Freyer zu reichen, welche ſich um dieſelbe bewar⸗ ben. Als nach elnigen Jahren dieſe Eltern ſtar⸗ ben, uͤberließen ſich die Liebenden ganz ihrer Lei⸗ denſchaft, und es fiel ihnen gar nicht ein, vor dem Publikum eine Verbindung zu verbergen, bey welcher ſie ſelbſt ſo wenig arges fanden. Eben dieſe Argloſigkeit machte ſie zu ſicher; in einer
*


