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che freylich nur gar zu gerne ihr Ideal mit Zuſaͤ⸗ tzen und Phantaſien aufſchmuͤcken und entſtellen⸗
Der Kardinal Feroneſe war jung, reich und liebenswuͤrdig. Das Haus Feroneſe war eines der maͤchtigſten, reichſten und angeſehenſten in Ita⸗ lien; fuͤnf Paͤbſte hatte es bereits aus ſeiner Mitte aufzuzaͤhlen, ſeit ein paar Jahrhunderten war im⸗ mer einer, oft mehrere Glieder deſſelben dem hei⸗ ligen Kollegium einverleibt, und eben ſo lange be⸗ gleiteten die Feroneſes die erſten Stellen der Kirche und des Staats. Auch der jetzige Pabſt war wie⸗ der ein Bruder von dem Vater des Kardinals, und dieſer daher ſchon ehe er lallen konnte, zum Kardinale beſtimmt. Nie waren die Feroneſes rei⸗ cher und maͤchtiger geweſen, als jetzt, und daher die Erwartung, daß der Kardinal einſt Pabſt wer⸗ de, nicht uͤbertrieben, welche, als er kaum geboren war, ſchon die Familie von demſelben hatte, und als der Knabe heranwuchs und eine Menge liebens⸗ wuͤrdiger Eigenſchaften entwickelte, immer ver⸗ ſtaͤrkend naͤhrte. Hierauf arbeiteten alle Glieder der Familte, und niemand mehr, als der regie⸗ rende Pabſt mit allen Kraͤften los, da dieſer ſeinen Neffen mit aͤußerſter Zaͤrtlichkeit liebte, ſich mit dem Gedanken ſchmeichelte, ſeinen Nachfolger ſich ſelbſt zu geben, und die hoͤchſie Wuͤrde der


