Teil eines Werkes 
Zweites Bändchen (1802)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

173

daß ſie ganz gewiß bald ihre Freiheit erhalten werde, und bat ſie dringend, nur nicht von hinnen zu weichen, bis ſein Schikſal entſchieden ſei. Noch einmal konnten ſie ſich ſehen, und in Gegenwart des Waͤchters ſprechen; wie aber die Unterſuchung ihres Verbrechens begann, da ward ihnen jede Unterredung verweigert. Snuſanne blieb in der Wohnung des Waͤr⸗ ters, konnte dort ſpinnen, ward gewiſſenhaft dafuͤr bezahlt, und fand in der Folge einige Wohlthaͤter in der Stadt, welche ihr oft Speiſe ſandten, die ſie redlich mit ihrem weit haͤrter behandelten Gatten theilte. Alle Verhoͤre, welche man indeß mit dieſem vornahm, bewieſen ein anhaltendes Beſtreben, Suſannens Unſchuld zu vertheidigen, und ihr Schikſal zu mildern. Anfangs behauptete er, daß ſie gar keine Schuld an ſeinem Verbrechen trage, weil er ſie, wie ſie ihm ihre Hand ge⸗ weigert habe, durch einen falſchen Brief, in welchem er ſich den Tod ſeines Weibes berichten ließ, getaͤuſcht habe; wie aber Suſanne, unbe⸗ kannt mit jedem Truge, dieſe Liſt offen laͤug⸗ nete, und ſich ſelbſt als ſchuldig anklagte, da ſuchte er doch noch immer den groͤßten Theil der Schuld von ihr zu entfernen, und anhal⸗ tend zu beweiſen, daß ſie gar keine Strafe verdiene, weil er ſie zu jeder Mitwirkung ver⸗ leitet, und zur ſtraͤflichen Verſchwiegenheit be⸗