emſig und fleiſſig ſie auch bat, ſo konnte und durfte ihr der Gerichtsdiener dieſe Bitte doch nicht gewaͤhren. Eben wollte ſie, wie ſie in ih⸗ rer Erzählung aufrichtig geſtand, die gelinde Nachſicht, mit welcher ſie behandelt wurde, miß⸗ brauchen, und an einem Morgen entfliehen, um ihren ſehnlichen Wunſch zu erfuͤllen, als ihr die ſchrekliche Nachricht ward, daß ihr Mann am Tage vorher auf Befehl des Obergerichts an das Kriminaigerichte zu E— ſei abgeliefert wor⸗ den, und ſie, laut eben dieſem Gebote ihm da⸗ hin folgen muͤſſe.
Dieſer ſie ſo uͤberraſchende Befehl war ſehr natuͤrlich erfolgt, weil die Geſeze dies gleich An⸗ fangs geboten, das Obergerichte aber vorher zu entſcheiden hatte: ob man die Verbrecher, wie es verlangt wurde, an das Gericht ihrer Vater⸗ ſtadt ausliefern, oder im Lande ſelbſt unterſuchen und beſtrafen ſollte? Bisher hatte Suſanne im⸗ mer mit vollem Rechte die Auslieferung als das Schreklichſte betrachtet, was ihr auf ihrem Jam⸗ merpfade noch wiederfahren koͤnnte; jezt aber, als das Obergerichte entſchied, daß ein im Lande begangnes Verbrechen, auch im Lande unterſucht und beſtraft werden muͤſſe, achtete ſie dies Ur⸗ theil fuͤr eben ſo ſchreklich, weil ſie ſich nun in die Zahl der mit Eiſen und Ketten belaſteten Verbrecher verurtheilt ſah. Immer wähnte ſie, daß ſich ihr Leiden nie vergroͤſſern koͤnne; jezt


