*
35 mit Oswalden euch zu dieſem Schritt verleitet
haͤtte. Mathilde.(ſezt die Kinder auf die Erde)
Da, ruht ein wenig. Waiblingen! du kennſt
mein Herz, du kennſt die Geſinnungen deſſelben, und haͤltſt mich doch ſchlechter Handlungen faͤ⸗ hig? Ehe wuͤrde ich den ſchreklichſten Tod, als freiwillige Flucht von ſeiner Seite gewaͤhlt haben. Ich bin zu ſtolz, um der Welt mein Elend zu entdeken, du weißt am beſten, wie ſehr ich mich muͤhte, es vor aller Augen zu verbergen. Ich fliehe nicht, aber ich bin ausgeſtoſſen von ihm, verjagt aus der Burg, die ich ihm zur Morgen⸗
gabe brachte; ich ſoll, ſeinem Ausſpruche gemaͤß,
mit meiner Natterbrut in dieſem Forſte ver⸗ ſchmachten.
Waiblingen. Unmoͤglich! Das that er? Er? Das konnte er thun? Unmoͤglich! Ich hielte ihn aller Laſter faͤhig: aber daß er des ſchwaͤr⸗ zeſten Undanks auch faͤhig ſeyn koͤnnte, daß er— — O dieſe Nachricht widerſteht meinem Gedaͤcht⸗ niſſe, wie Speiſe dem fieberhaften Magen! Was konnte ſolch eine That veranlaſſen?
Mathilde. Wild und raſend kehrte er vor kurzem vom Streite zuruͤtk. Ich war eben mit den Kleinen hier beſchaftigt, als er ins Gemach trat, mich ruͤkwaͤrts beim Haare faßte, und ohne ein Wort zu ſprechen, zur Thuͤre hin⸗ aus ſchlepte. Ich ſank zu Boden, und diente
C 2


