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Ultimo : Novelle / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
[Giessen] [2025]
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neulich als Gretchen vor dem Bilde der mater do— lorosa— vornübergebeugt, das Geſicht in die flachen und die langen, dunklen Flechten, von denen ſich die eine gelöſt— gerade wie neulich— waren ihr über die Schultern ge⸗ fallen und berührten mit den Spitzen den Teppich. Sie hatte, wie es ſchien, ſeinen Schritt nicht gehört, nicht das Rauſchen des Gobelin⸗Teppich's; und als er jetzt zärtlich leiſe ihren Namen nannte, ſprang ſie mit einem Schrei der Ueberraſchung, der trefflich herauskam, ihm entgegen, an ſeinen Hals, und ihre Lippen zitterten auf ſeinen Lippen.

Den letzten, den letzten!

Sie hatte ſich alsbald wieder aus ſeinen Armen frei gemacht, und ſtand nun, halb von ihm abge⸗ wendet, da, die eine Hand gegen die Stirn drückend, mit der anderen winkend, daß er ſie verlaſſen ſolle.

Wild faßte mit raſchem Griff dieſe und zog die ſich vergebens Sträubende an ſich: Wie, Mädchen, was heißt das? Du biſt ja mein, meine Melanie! meine ſüße, holde Braut!

Sie hing mit geſchloſſenen Angen, wie halb ohn⸗ mächtig an ihm.

Fr. Spielhagen, Ultimo. 2. Auflage. 13