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Die schönen Amerikanerinnen : Novelle / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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Herr Scherzer und der Doctor ſchienen noch immer gewich⸗ tige Bedenken gegen meinen Plan zu haben; aber der ehrliche Meiſter ſagte, indem er treuherzig meine Hand ergriff: Gott ſegne Sie, lieber Herr, daß Sie dem Unglücklichen forthelfen wollen. Vielleicht beſſert er ſich, wenn er ſieht, daß es noch Menſchen giebt, die ſich des Sünders erbarmen. Und wenn er ja auch wohl was Schlimmeres verdient hat es iſt hart für einen ehrlichen Kerl, ſeinen leiblichen Bruder im Zuchthaus zu wiſſen

Die Stimme des braven Mannes zitterte, ich drückte ihm die Hand und ſagte:

Kommen Sie, meine Herren!

Ich ergriff ein Licht und ging voran; die Anderen folgten; zwei davon mehr mechaniſch, glaube ich, als aus Ueberzeugung. In dem Kurhauſe war ſchon Alles ſtill, die Treppe knarrte unter unſeren Schritten, als wir Einer hinter dem Anderen hinaufſtiegen. Die Thür aus dem Salon nach dem Corridor war weit geöffnet, vermuthlich von Herrn Hockelheim in der Abſicht, ſich ſein Wächteramt zu erleichtern, da die Eckſtube, in welcher der Gefangene ſaß, nur nach dem Salon und dem Corridor je eine Thür hatte, ſo daß der Verbrecher, falls er ja hätte ausbrechen wollen, jenen oder dieſen paſſiren mußte.

Herr Hockelheim richtete ſich, als wir in den Salon traten, ſo ſtrack aus dem Fauteuil, in welchem er geſeſſen hatte, auf und öffnete ſeine Augen ſo weit, daß die Vermuthung, der Brave ſei nach der anſtrengenden Reiſe bei der Flaſche(die übrigens leer war) ein wenig eingenickt, nahe lag.

Nun, wie ſteht's, Hockelheim? fragte Herr Scherzer mit leiſer Stimme.

Alles in Ordnung, brummte der Wachtmeiſter und räuſperte ſich. Er hat ſich ſeit einer Stunde nicht gerührt.

Ich unterdrückte die Bemerkung, daß dieſe zarte Rückſicht für die gegenſeitige Ruhe auch wohl von Herrn Hockelheim gewiſſenhaft beobachtet ſei, und erſuchte ihn, uns die Thür zu⸗ dem Gefangenen zu öffnen.