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Die schönen Amerikanerinnen : Novelle / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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dem er Fräulein Jettchen einen graziöſen Abſchied zugeweht hatte, in die Taſche und nahm ſtatt deſſen das Perlenbuch zur Hand, um zu verſuchen, ob Apoll ihm die Ruhe wiedergeben könne, welche Amor ihm entwendet hatte.

Ich ſtörte ihn nicht in ſeinem Verſuche. Der Meiſter, der vornübergebeugt auf ſeinem Sitze ſaß, ſchien ganz verſunken in die Betrachtung der Welt, die er ſeit zehn Jahren nicht geſehen hatte, und unterhielt ſich nur von Zeit zu Zeit leiſe mit dem Kutſcher; ich fühlte mich ernſt, ja traurig geſtimmt, und, je näher wir unſerem Ziele kamen, um ſo mehr. Auch die Gegend, durch die uns heute Nachmittag der leichte Wagen trug— es war eine andere, als die von heute Morgen, da wir über Fichtenau zurück mußten— auch dieſe Gegend, ſo wunderbar lieblich ſie aus bunten Wieſen unter Baum⸗ und Buſchwerk, munter zum Thal plätſchernden Bächen, dunklen Tannenwäldern und ſtillen herbſtlichen Feldern zu mir herüber grüßte— ſie konnte mir keinen Troſt, keine Heiterkeit bringen. Ich wurde nur melancholiſcher, je ſchöner die Erde prangte, je leuchtender der Himmel hernieder blauete. Wer konnte wiſſen, ob der Freund meiner Jugend, mein guter, lieber Kamerad, dieſe Erde, dieſen Himmel nicht zum letzten Male ſah!

Mein Fuß ſtieß an den Piſtolenkaſten, den wir unten in den Wagen geſtellt hatten. Da waren die Mordwerkzeuge, und der, der ſie gefertigt, ſaß da ſo ſtill und friedlich, und dachte nicht an Blut und Mord, ſondern an ſeine Frau und ſeine vier⸗ zehn Kinder und vielleicht an die Schweſter in Tannenburg. Wie lebhaft mir die Scene wieder vor die Seele trat, als Ellen die alte Perſon in den Armen hielt und das hellblaue Band von ihrem Strohhut auf den Schultern der Alten lag. Ach! dieſe ſelbe ſchöne, ſanfte Ellen— ſie war die Urſache all' dieſes Unglücks; an dem milden Licht ihrer blauen Augen hatte ſich dieſer unſelige Streit entzündet, der vielleicht nun ſo bald in Blut gelöſcht werden ſollte!— Wie würde ſich meine Frau ängſtigen, wenn ſie dies wüßte? Wie traurig würde ſie ſein, wenn das Duell für Egbert einen üblen Ausgang nahm!

Ich ſeufzte tief.

Fr. Spielhagen's Werke. VIII. 11